Die Kapelle von Bernau-Hof

von Ulrike Spiegelhalter, Bernau

Die Kapelle im Ortsteil Hof ist zwar nicht die älteste im Bernauer Tal, aber an diesem historischen Platz wurde das erste kleine Gotteshaus erbaut. Von hier aus erfolgte die Besiedlung des Tales, Hof bildet mit der Gründung des ersten Bruderhofes die Urzelle von Bernau, eine Gründung des Klosters St. Blasiens. Schon im 12. Jahrhundert, im Jahre 1167, kam Bischof Hermann von Konstanz eigens in das damals noch unwirtliche Tal gereist, um im Hof eine Kapelle zu weihen - da, wo die heutige Kapelle steht.
Wenige Jahre später, nämlich 1173, wurde die Kapelle in einer Bulle des Papstes dem Kloster bestätigt. Im Laufe der Jahrhunderte verfiel das kleine Holzkirchlein, im Jahre 1607 wurde es durch eine Steinkapelle ersetzt, über deren weiteres Schicksal nichts Genaues bekannt ist.
Erst ab 1677 hatten die Bitten der Bürger Gehör gefunden, dass nun regelmäßig in der Hofer Kapelle Gottesdienst abgehalten werden durfte. Im Tal hatten damals 32 Leute das Bürgerrecht, die vom Kloster auch die Genehmigung erhielten, ihre Toten um das Kirchlein zu beerdigen, einen Taufstein aufstellen und die Eucharistie aufzubewahren. Auch die Menzenschwander brachten ihre Toten über die Berge, um sie in Hofer Erde zu begraben.
Vom Bau der ersten Kapelle an, also vom ersten Viertel des 12. Jahrhunderts an, wurde von den Geistlichen ein Messbuch handschriftlich in karolingischer Minuskelschrift auf Pergament geführt, das sogenannte "Bernauer Missale". Anlässlich einer Visitation im Jahre 1687 wurde das äußerst wertvolle Buch wegen seines hohen Alters nach St. Blasien gebracht und in die dortige Bibliothek gestellt. Es überstand den Klosterbrand von 1768 und wurde nach der Auflösung des Klosters 1806 von den St. Blasier Benediktinern in ihre neue Heimat St. Paul in Kärnten mit genommen. Es befindet sich noch heute in der dortigen Bibliothek.

Lange gab es keine Kapelle mehr im Hof, doch der Wunsch der Hofer Bürger nach einem kleinen Gotteshaus versiegte nie. Erst im Jahre 1932 war es dann so weit. An der Stelle der ersten Holzkapelle wurde in Gemeinschaftsarbeit ein neues kleines Gotteshaus errichtet. Die beiden mächtigen Bergahornbäume wiesen den Platz zudem genau an, die auch heute noch der Kapelle Schatten spenden. Aufmerksame Besucher werden zudem um das Kirchlein herum noch kleine Wiesenhügel entdecken, letzte Zeugen des Friedhofes, der Gräber, die sich einst bei den ersten beiden Kirchen befanden.
Die erste Glocke für die neue Kapelle wurde von Oskar Bregger aus Solothurn gestiftet. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg für Kriegsmaterial abgeholt und ist nicht wieder in den Schwarzwald zurückgekehrt. Zwei Hofer Familien stifteten eine neue Glocke, die von Mathilde Baur bis vor wenigen Jahren täglich um 12 Uhr und vor den Messen geläutet wurde. Nunmehr ist ein elektrisches Geläut mit Zeituhr installiert, das Glöckchen erklingt täglich um 12 Uhr und um 18 Uhr, außerdem vor den Messen, die regelmäßig abgehalten werden. Im Winter allerdings, wenn im hintersten Ortsteil von Bernau zu viel Schnee liegt, ist oft kein Durchkommen, dann finden keine Messen statt. Öffnet sich die Tür zur Kapelle, schaut man überrascht auf ein Altarbild, auf einen Christus, thronend auf dem Hohfelsen oberhalb von Hof, das ganze Bernauer Tal im Hintergrund. Rechts und links ist er von vier Aposteln umgeben. Das Altarbild hat der Kunstmaler Alfred Marzilius geschaffen, der lange Jahre im Ortsteil Hof gelebt hat. Später kam ein zweites Bild von ihm hinzu, eine Familie bei der Erntearbeit.
Das Kruzifix wurde von dem Österreicher Viktor Kramer geschnitzt, der Anfang der dreißiger Jahre in Bernau Arbeit gefunden hatte. Viele Jahre später kam er wieder einmal nach Bernau, um seinen Christus zu holen. Doch den gaben die Hofer nicht wieder her, gehört er doch seit Anbeginn in die Kapelle und so hängt er auch heute noch hier. Der Hofer Schnitzer Albert Schmidt hatte für die Kapelle eine wunderschöne Mutter Gottes geschnitzt, die eines Tages geraubt wurde - ein unglaubliches Geschehen, das die Hofer lange nicht überwunden haben. Doch Albert Schmidt schnitzte eine neue Madonna, die heute in der Kapelle steht, allerdings angekettet, um sie vor dem Schicksal ihrer Vorgängerin zu bewahren.

Die Hofer Kapelle gehört der Gemeinde Bernau, wird aber von den Hofer Bürgern liebevoll gepflegt. Vor einigen Jahren wurde ein neuer Schindelmantel angebracht und in diesem Jahr haben die Hofer Männer in ihrer Freizeit in Eigenleistung die AWA-Schindeln auf dem Dach durch 8000 Holzschindeln ersetzt, die von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurden. Nachdem das Kreuz auf dem Dachreiter vergoldet wurde und die Kapelle dank einer Stiftung neue Fenster und eine neue Tür erhalten, ist die Hofer Kapelle zu einem Kleinod geworden, deren Besuch sich allemal lohnt. Den Schlüssel kann man bei Mathilde Baut im Kirchenrainhof holen. Sie betreut die Kapelle seit fast vierzig Jahren, schmückt sie liebevoll mit frischen Blumen aus ihrem Garten oder von den umliegenden Wiesen.

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