Das Kolpinghaus in Waldshut 

von Peter Fleck, Waldshut

Die Vorgeschichte

Das katholische Gesellenhaus in Waldshut wurde am 3.Juli 1904 eingeweiht. Die Ursprünge seiner Geschichte liegen aber in der Mitte des 19.Jahrhunderts. Damals im Jahr 1859 wurde in Waldshut der Gesellenverein gegründet. Unter der Führung des Schuhmachergesellen Robert Bornhauser fanden sich bald 38 Gesellen zusammen, die einen geeigneten Versammlungsraum brauchten. Der Schuhmachermeister, Gregor Leber, der in der damaligen Vordergasse 82 (heute Kaiserstrasse) wohnte, stellte ein Zimmer in seinem Haus für die Versammlungen zur Verfügung. Politische Ereignisse, wie etwa der Beginn des französisch-österreichischen Krieges 1859 und das politische Klima in Baden machten den Start nicht leichter. Dennoch wuchs der neue Verein schnell und bald reichte das Zimmer in der Vordergasse nicht mehr, um die vielen Gesellen zu fassen. Bis ins Jahr 1889 war dann der Rheinische Hof und später der Rebstocksaal Versammlungsort des Kath. Gesellenvereins. Da man bisher überall nur zu Gast war, kam bald der Wunsch nach einem eigenen Domizil auf. Vikar Göggel der von 1889 bis 1895 Präses der Kolpingsfamilie war, nahm das Projekt in Angriff. Ein Gesellenhausbaukomitee das aus dem Pfarrverweser Dominik Saile, Landgerichtsrat Birkenmayer, Mechaniker Dietsche, Gewerbelehrer Krum, Schreinermeister Fleig, Professor Steigmeyer und Maurermeister Maier bestand, begann mit den Vorarbeiten. Zwanzigtausend Bettelbriefe wurden in alle Welt versandt und auch in der Stadt wurde fleissig gesammelt. So konnte für 12.000 DM ein kleines zweistöckiges Haus in der Hintergasse 62 (heute Wallstrasse Schuhhaus Werne) erworben werden, in dem ein größerer Raum für die Gesellen, ein kleinerer für die Lehrlinge eingerichtet wurde. So freuten sich die katholischen Gesellen in Waldshut, zum ersten Mal ein eigenes Haus zu beziehen.
Im Jahr 1899 trat die Maschinenfabrik Dietsche mit der Bitte an den Gesellenverein heran, das Gelände im Wallgraben, das zum Gesellenhaus gehörte zu kaufen. Der Umsicht des Vizepräses und Kaufmanns Josef Gremper war es zu verdanken, dass das Grundstück nur zusammen mit dem alten Haus verkauft wurde. Das Anwesen wurde für 22 000.-- Mark abgegeben, weil sich wohl insgeheim schon der Wunsch nach einem neuen und grösseren Haus regte. Das bisherige Vereinslokal blieb gegen Miete als Versammlungsort erhalten. Um im Sinne seines Gründers Adolph Kolping soziale Arbeit leisten zu können fehlte dem Waldshuter Verein bislang ein wichtiger Faktor. Wohl wurden soziale Kurse, Fachkurse für die verschiedenen Handwerksberufe, Diskussionsabende und Unterrichtskurse gehalten und die meisten der in Waldshut ansässigen Handwerker sind damals durch diese Schule gegangen, aber eine Unterkunft für die durchwandernden Gesellen konnte man nur in beschränktem Umfang anbieten. Wenn keine privaten Zimmer zu Verfügung standen, mussten sie sogar in einer Waldshuter Wirtschaft untergebracht werden. Dies sollte sich unter Präses Josef Bieser ändern.

Der Bau des Hauses.

Im Jahre 1903 wurde die neue Eisenbahnüberführung gebaut. Waldshut begann jetzt, sein noch immer von der mittelalterlichen städtebaulichen Konzeption geprägtes Erscheinungsbild zu ändern. Vor einigen Jahrzehnten hatte die Eisenbahn die Stadt erreicht. Sie schnitt das landwirtschaftlich genutzte Umland vom Stadtkern ab. Damit wurde eine neue Anbindung des Gebietes notwendig und die jetzt geschaffene Überführung leistete einen wichtigen Beitrag dazu. Damit veränderte sich auch die Topographie des Geländes. Rampen mussten aufgeschüttet werden, um die nötige Höhe für die neue Brücke zu gewinnen. Der Platz, auf dem heute das Kolpinghaus steht, lag plötzlich, mitsamt seinem Vorgänger, dem alten Schützenhaus, "tief unten im Loch", wie Josef Bieser in der Festschrift zum 70 jährigen Bestehen des Kath. Gesellenvereins erwähnt. Weil man mit 15 000 Mark einen für damalige Verhältnisse sehr hohen Preis bot, konnte man das Gelände erwerben. Viele Waldshuter beklagten sich damals über den jungen Kaplan, der den wertlosen alten Kasten mit dem mühsam erwirtschafteten Geld der Kolpingsfamilie gekauft hatte. Dennoch war jetzt der erste Schritt gemacht. Der "Katholische Gesellenhaus e.V." wurde gegründet. Folgende Mitglieder gehörten Ihm an: Präses Josef Bieser, Stadtpfarrer Dominik Saile, Vicepräses Josef Gremper, Vorstand Blümmel, Anwalt Siebert, Stadtrat Zimmermann, Schreinermeister Fleig, Schuhmachermeister Flum und Zimmermeister Köpfler. Jetzt legten die Gesellen Hand an. Nach ihrer täglichen Arbeit zogen sie jeden Abend zum neuerworbenen Gelände, um das alte Schützenhaus abzureissen, Gebüsch und Bäume zu roden, die dem Vorhaben im Weg waren und den Schutt des Abbruchhauses zu beseitigen. Neben einer Sammlung, die 5000 Mark einbrachte und dem Kapital, das die Kolpingsfamilie über viele Jahre hinweg erwirtschaftet hatte, stand nun ein Betrag von 27000 Mark zu Verfügung. Der Baunternehmer Theodor Wagner schätzte in seinem Kostenvoranschlag die Baukosten auf 45000 Mark.
Somit war das Risiko überschaubar und der Bau des Hauses wurde nach den Plänen von Stadtbaumeister Köpfler begonnen. Bei der Eröffnungsfeier am 3.Juli 1904, zu der 60 Gesellen nach einer letzten Zusammenkunft im alten Gesellenhaus zogen, folgte dem Festakt und der kirchlichen Weihe am Morgen, ein großes Festbankett am Nachmittag, an dem auch viele befreundete Kolpingsfamilien teilnahmen. Der Diözesanpräses Dr. Retzbach hob in seiner Festrede immer wieder die große Leistung hervor, die hier vom Gesellenverein eines so kleinen Städtchens wie Waldshut erbracht wurde. Manch grössere Stadt könne nichts Vergleichbares vorweisen. Biesers Grundsatz "nur so weit bauen, wie die Gelder reichen", machte nun eine Pause notwendig. In den nächsten zehn Jahren konzentrierte sich die Kolpingsfamile darauf, die entstandenen Schulden abzuzahlen. Kurz vor Kriegsbeginn 1914 wurde mit dem Saalanbau begonnen. Zusammen mit dem Pressverein, der im Untergeschoss Räume für eine Druckerei errichtete, wurde das Projekt in Angriff genommen. Stadtpfarrer Bieser schreibt dazu: "Wohl wird heute mit Recht bemängelt, der Saal sollte größer sein; aber wir mussten mit unseren Mitteln rechnen, und wer dachte vor Kriegsbeginn, wo man noch keine Lonza kannte, daß die Stadt sich nach 10 Jahren so vergrössern wird". Dennoch bot das Haus damit den größten Versammlungsraum der Stadt.

Die Nutzung des Hauses

Leider konnte die Idee, den durchwandernden Gesellen eine Heimat zu bieten immer noch nicht realisiert werden. Das Mietzwangsgesetz, das nach dem ersten Weltkrieg die Wohnungsnot verwalten sollte, zwang die Kolpingsfamilie einen großen Teil ihrer Räumlichkeiten als Wohnraum zu vermieten. Fünf Familien fanden damals im Kolpinghaus eine Heimat. Da, wie oben schon erwähnt auch der Pressverein noch Mieter im Hause war, blieben für die Kolpingsöhne nur zwei kleine Räume, die als Durchwandererzimmer genutzt wurden. Die Versammlungen mussten in der verpachteten Wirtschaft abgehalten werden. Dadurch waren, die Kolpinger immer gezwungen, dort etwas zu essen oder zu trinken. Abgesehen von der finanziellen Belastung, die mancher Geselle nicht tragen konnte, war es auch Präses Heinrich Magnani ein Dorn im Auge, weil er eine Erziehung zum "Wirtschaftshocken" befürchtete. Durch organisatorische Massnahmen, (Untermietverhältnisse wurden untersagt) und den Ausbau von drei Mansardenzimmern wurde es am 3.11.1927 erstmals möglich, 6 Zimmer mit 15 Schlafstellen zu beziehen. Zusammen mit den 5 Plätzen im Durchwandererzimmer gab es nun 20 Betten für die Gesellen im Gesellenhaus. Auch der Pressverein bezog in diesen Tagen sein eigenes Haus. Im Untergeschoss entstanden aus den freigewordenen Räumen der rote (heute Kolpingstüble) und der gelbe Saal, der eine Bibliothek mit vielen Zeitschriften und Büchern und ein Radio mit Lautsprecheranlage enthielt. Ebenso wurde ein Vorstandszimmer und ein Geräteraum geschaffen. Die beiden Säle stellten damit zusätzlichen Versammlungsraum von 152 m² zur Verfügung. Die farbliche Ausgestaltung der Räume wurde von bekannten Waldshuter Kirchenmaler Bertsche vorgenommen. Wie sich bald herausstellte, war die Feuchtigkeit in den unterern Räumen des Kolpinghauses ein Problem. Man entdeckte, daß die Dachrinnen nicht an die Kanalisation angschlossen waren, weil deren Niveau zu hoch war. Das anfallende Dachwasser staue sich unter dem Haus, so nahm man an. Als Gegenmassnahme wurde ein 9.20 tiefer Schacht ausgehoben, der mit Kies aufgefüllt das Wasser auffangen sollte. Nach drei Wochen schwerer Eigenarbeit, war diese Aufgabe gelöst. Am 2.Januar 1928 konnten die neuen Räume eingeweiht werden. Die ständige Überbelegung der Gesellenzimmer machte es notwendig, den Speicher über dem Saal auszubauen. Es entstanden so weitere 12 Übernachtungsplätze und eine Hausschreinerei. Auf Beschluss des Gesellenausschusses vom 28.11.1928 nimmt die Kolpingsfamilie die Wirtschaft in eigene Regie. Am 20. März 1929 ziehen die Dominikanerinnen aus dem Mutterhaus Neusatzeck bei Bühl im Hause ein. Da etwa gleichzeitig drei Wohnungen frei wurden, konnte ihnen und dem Hauspersonal ein eigenes Stockwerk zur Verfügung gestellt werden. Sie bewirtschafteten das Haus bis zum 17. Oktober 1970. An diesem Tag wurde die Station in Waldshut wegen Schwesternmangel geschlossen. Vom 1 Juli 1929 an wurde Wirtschaft und Küche in eigener Regie geführt. Nach einigen Umbauarbeiten entstand so die erste Großküche in Waldshut, die sowohl von ihrer Größe als auch von der technischen Einrichtung her vorbildlich war. Noch heute, wenn man die Räume betritt und viele noch ursprünglich erhaltene Einrichtungen sieht, kann man sich vorstellen, daß Kühlräume, elektrische Wasch- und Geschirrspülmaschinen, die grosse Herdanlage und die Anlage zur Eisbereitung für die damalige Zeit Hightec-Standard darstellten. Schon deshalb ein erhaltenswertes Ensemble. Schliesslich erhielt das "Katholische Gesellenhaus" in jenem Jahr auch einen neuen Namen. Am neuverputzten Haus wurde ein grosses Portrait des Gesellenvaters angebracht und es heisst seither "Kolpinghaus". Im Winterhalbjahr 1929/30 findet die Landwirtschaftsschule erstmals Domizil im Kolpinghaus. Landeskonmierat Bausch bedankt sich in diesem Zusammenhang in einem Aufsatz für die tadellose Unterbringung und Verpflegung der Landwirtschaftsschüler.

Das Kolpinghaus wird Eigentum der katholischen Pfarrgemeinde.

Vermutlich 1933 ging das Kolpinghaus aus der Hand des Gesellenvereins in das Eigentum der katholischen Pfarrgemeinde über. Notwendig wurde dies aufgrund der politischen Ereignisse. Der eben entstandene nationalsozialistische Staat versuchte, alle Aktivitäten Andersdenkender zu unterdrücken, und deren Eigentum an sich zu bringen. Das betraf auch die katholischen Vereine. Der damalige Präses, Vikar Alois Stiefvater, später lange Jahre Diözesanpräses der Kolpingsfamilie schrieb damals ins Protokollbuch:
"Am 1. Juli 1933 wurde laut Regierungserlass allen katholischen Vereinen jede Tätigkeit untersagt.
Morgens um 10 Uhr erschien ein Polizeibeamter in Begleitung mehrerer SA Männer und belegte alle Bücher mit Beschlag.
Das gesamte Eigentum wurde auf das Bezirksamt geführt.
In dieser Zeit durften keine Versammlungen mehr abgehalten werden. Ende Juli wurde das Verbot zurückgenommen."

Die Wirtschaft

Schon seit den Tagen der Entstehung, war dem Kolpingshaus ein Restaurationsbetrieb angeschlossen. Dies sollte einerseits Mittel zur Unterhaltung des Hauses erbringen, andererseits seine Funktion als Treffpunkt über das Vereinsleben hinaus zu stärken. Bis zum 1.7.1978 hatte die Wirtschaft in Waldshut Bestand. Wirte wie Stephan Gerspach, Karl Emmenegger und Peter Küster führten das Lokal vor dem 2.Weltkrieg.
Vermutlich seit Februar 1950 war ein Fräulein Hedwig Ebner Wirtin im Haus. Ihr Pachtverhältnis dauerte bis zum 31.12.1952. Zu diesem Termin wurde es vom "EV" einem eingetragenen Verein gekündigt, der das Haus im Auftrag der Pfarrgemeinde führte und bewirtschaftete. Die Vollversammlung des Vereins umfasste im November 1952 13 Mitglieder. Leider sind dazu keine Unterlagen mehr vorhanden, sodaß die Namen größtenteils nicht mehr ermittelt werden konnten. Namentlich bekannt sind Herr Malzacher, Karl Müller Willi Miltenberger und Symphor Schwarz, wobei Herr Miltenberger als Schatzmeister des "EV" und als Vertreter des Vereins in Pacht- und Einstellungssachen fungierte
In dieser Zeit war die Wirtschaft nur vom Samstag bis zum Montag geöffnet. Das sollte sich nun wieder ändern. 1953 wurde ein Umbau in Angriff genommen. Das Kolpinghaus verlor seinen schönen neugotischen Giebel und wurde aufgestockt um Raum zu gewinnen. Die Gaststätte wurde umgestaltet, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Reibereien mit den Schwestern, wegen der bisher gemeinsam genutzten Küche zu vermeiden. Die Theke, bisher in einem eigenen Raum zwischen Saal und Wirtschaft untergebracht, wurde nach vorne verlegt, und im frei werdenden Raum eine kleine Küche eingerichtet. Dies machte auch Umbauten an der Bierzuleitung im Keller und ein neues Kühlsystem notwendig. Die Brauerei Rothaus unterstützte diese, wie auch spätere Umbauten durch zinsgünstige Kredite, die das Haus im Gegenzug an die Brauerei als Bierlieferanten banden. Dennoch wäre ohne das Engagement der Badischen Staatsbrauerei in der schweren Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, eine Weiterführung des Hauses kaum möglich gewesen.
Zur Neumöblierung des Saales wird deshalb am 22. Januar 1953 eine Grundschuld zu Gunsten des Unternehmens eingetragen. Im Frühjahr 1955 wird eine neue Raumkühlanlage installiert und 1956 eine Fasspritsche eingebaut. 1963 erfolgt eine Neubestuhlung des Saales und im selben Jahr sucht der "EV" um eine Vollkonzession für den "Roten Saal" nach. Das sollte in den folgenden Jahren noch zu Spannungen mit verschiedenen Wirten des Hauses führen. So etwa klagt Wirt Karl Urner im Juni 1969, daß ihn die Konkurrenz im eigenen Hause in den Ruin treibe. Im Dezember 1971 wird der "EV" durch Stadtpfarrer Alfons Nock aufgelöst.

31.8.1955 Das Ehepaar Götz übernimmt das Kolpinghaus
Am 28.11.1955 gewährt die Brauerei ein Darlehen an das Wirts-Ehepaar Götz 

Frühjahr 1956
Eine Fasspritsche wird auf Kosten der Brauerei Rothaus eingebaut

31.12.1962 auch für eventuelle Rechtsnachfolger nur Rothausbier auszuschenken. Im selben Jahr unterstützt die Brauerei die Anschaffung eines Kühlschrankes und den Einbau eines Kühlzylinders.

30.01.63 Kredit von der Rothaus zur Beschaffung von 100 Stühlen zu Saalbestuhlung zinslos

1963
Der EV hat um eine Genehmigung einer Vollkonzession für den roten Saal nachgesucht.

30. September 1965
Albert Jäggi übernimmt das Kolpinghaus

29. 5.1968 verlorener Zuschuss und die leihweise zur Verfügung gestellten 39 Klapptische und 416 Stapelstühlen. Neue Schankplatte mit zwei Becken. Verpflichtung des Bierbezugs verlängert sich bis 31.12.78.

10.8.1968
Karl Urner übernimmt das Kolpinghaus
Im Mai 1971 hört Urner auf. Der Pachtvertrag dauerte bis zum 1.8.1971, Urner klagt über den EV. und hegt die Vermutung, daß der Komplex abgrissen werden solle. Auch würden die eben entstandene Famila und der Bau der Eisenbahnbrücke seinen Betrieb negativ beeinflussen.

10.6.1969
Es gibt Spannungen zwischen dem Wirt und den Schwestern, weil Mittagessen nicht nur an Kolpingsöhne, sondern auch an Passanten abgegeben wird. Der EV vertritt den Standpunkt, Urner solle sich durch ein besseres Essen dieser Konkurrenz erwehren.

Im Dezember 1971 wird der Kolpinghaus e.V. durch Stadtpfarrer Alfons Nock aufgelöst. Die katholische Pfarrgemeinde Liebfrauen Waldshut wird Vertagspartner der Brauerei. Der Vertrag wird am 12.4.1972 geschlossen.

1.7.1978 Karl Müller, der letzte Wirt des Kolpinghauses, stellt den Betrieb ein. Er hat sich immer ungerecht behandelt gefühlt, weil er über den Bierpreis die Saalbestuhlung mitfinanzieren musste. Ferner wurde im Kolpingstüble bei Veranstaltungen der Kolpingsfamilie durch Frau Kaiser separat gewirtet

Manchem werden Wirtsnamen wie Niering, Götz, Urner und natürlich Karl Müller geläufig sein. Der vor wenigen Jahren verstorbene letzte Wirt des Kolpinghauses hat zusammen mit seiner Frau Maria die Kolpingshausgaststätte zur beliebten Wohnstube vieler Waldshuter vereine gemacht. Mitte der fünfziger Jahre begann eine erste Ausbauphase. Das Kolpinghaus verlor seine schönen neugotischen Treppengiebel und wurde aufgestockt, um mehr Raum zu gewinnen. Die damals noch als Lehrlingsheim genutzten Räume wurden später zu Hotelzimmern ausgebaut.. Nach dem Weggang der Schwestern übernahm das Ehepaar Christel und Alois Kaiser die Hausmeisterstelle im Kolpinghaus. Bis zum 30.06.1999 hat Frau Kaiser, die nach dem frühen Tod ihres Mannes die Stelle alleine ausfüllte, unzählige Veranstaltungen betreut und das Haus in Ordnung gehalten. Ihr ist es auch zu verdanken, wenn das Haus auch nach Auflösung von Gaststätte und Hotelbetrieb weiter als Unterkunft und Heimat für Auszubildende und Lernende dienen konnte. So fanden 1977 junge Zöllner Unterkunft im Haus. Unter Stadtpfarrer und Dekan Alfons Nock, der bis heute seinen Alterssitz im Kolpinghaus hat, fand neuerliche eine Änderung in der Nutzung statt. Das hatte Modernisierungsarbeiten und Umbauten zur Folge.
Unter Präses Franz Schwörer wurde der "Rote Saal" im Untergeschoß zum Kolpingstüble. Die Kolpingsfamilie nahm diese Umgestaltung dank ihrer vielen Handwerker selbst vor. Die drei Jungkolpinggruppen, die 1972 entstanden waren, hatten ebenfalls regen Anteil an der Arbeit. Ebenfalls in den frühen siebziger Jahren öffnete der Jugendclub seine Pforten.
Am 1. Juli 1980 bezog der Caritas-Verband vier Räume im ersten Obergeschoss. Der Dienst "Essen auf Rädern" bezog den Pfortenraum im Erdgeschoß. Eine Ganztagskraft, eine Aushilfe und drei Halbtagskräfte meisterten Aufgaben wie den Allgemeinen Sozialdienst mit der Nichtsesshaftenhilfe, das Essen auf Rädern und Kuren.
Da ein Ausbau der sozialen Dienste neuen Raumbedarf nach sich zog, erfolgte 1985 und 1986 ein weiterer Umbau. Am 1. Oktober 1986 wurden die neuen Räume bezogen. Neben der Geschäftführung und 39 hauptamtlichen Kräften, arbeiten heute 14 geringfügig Beschäftigte, 14 Honorarkräfte und 8 Zivildienstleistende im Hause. Insgesamt betreut der Caritas-Verband heute 13 Sozialdienste, einen Schülerhort und die Tagespflege im Haus Haberer.

Amtliche Auflagen machten im Jahr 1986 den Einbau neuer Toilettenanlagen notwendig. Im Untergeschoß entstanden neue moderne sanitäre Anlagen, denen das alte Faßlager weichen mußte. 1990 schließlich erfolgte der Ausbau einer Wohnung für den ehemaligen Stadtpfarrer und Dekan Geistl.Rat Alfons Nock. Zusammen mit Frau Ruth Niedermann, die ihn betreut, hat er bis heute seinen Ruhesitz dort. In der Hauskapelle, die von einem Kreuzweg des Jestetter Künstlers und Kolpingsohnes Siegfried Fricker geschmückt ist, hält er regelmäßig Gottesdienste, die von einem treuen Freundeskreis besucht werde. Das Altarbild von Hans Franke zeigt eine Darstellung der heiligen Familie vor der sommerlichen Kulisse Waldshuts, umrahmt von den Alpen, den heute längst bebauten Obstwiesen am Fuß des Haspels vor dem Silberband des Rheins.

Heute sind die Tage des Kolpinghauses gezählt. Seine Räumlichkeiten entsprechen in Vielem nicht mehr den Erfordernissen der Zeit. Um das 95 jährige Haus zu sanieren, wären, dem Vernehmen nach, umfangreiche Mittel erforderlich. Lange Jahre die Heimat der Waldshuter Pfarrgemeinde Liebfrauen, geht das Haus am 31.12.1999 in andere Hände über. Mag man auch eine Vorfreude auf das neue Pfarrzentrum, das auf dem Parkplatz neben der Kirche entstehen soll, empfinden, die Wehmut über den Verlust des schönen alten Hauses kann sie nicht verdrängen.

zurück