im Alb Bote vom 20.12.2011
Waldshut (ctr) Manfred Dietenberger, der langjährige Vorsitzende des Geschichtsvereins Hochrhein, lobte die zahlreich erschienenen Gäste und Mitglieder, denn „die Nikolausstände in der Fußgängerzone hätten doch auch ihren Reiz gehabt an diesem Abend“, meinte er schmunzelnd. Doch diesmal stand eine freie Fragestunde im Gasthaus Schwanen in Waldshut auf dem Programm.
Interessante Fragen zur Entstehung der Nachnamen wurden gestellt, ebenso Fragen zur Burg Hauenstein. Diese Fragen wurden fachkundig von Redmann Heinrich Dold aus Dogern sowie Geschichtskundler Hans Gassmann beantwortet.
Abgerundet wurde der Abend mit einem Diavortrag von Joachim Hartbaum. Der Ingenieur aus Dangstetten hat mit viel Gespür alte Grabsteine aus der Region abfotografiert, welche mit geheimnisvollen Steinmetzzeichen versehen sind.
Am Ende der lebendig geführten Veranstaltung konnten die Mitglieder des Vereins das druckfrische Buch mit dem Titel „Land zwischen Hochrhein und Südschwarzwald“ stolz mit nach Hause nehmen. Der nächste Monatstreff für geschichtsinteressierte Gäste und Mitglieder des Vereins wird an gleicher Stelle erst wieder stattfinden am 2. Februar 2012 um 19 Uhr.
Referent an diesem Abend ist Manfred Emmerich aus Tiengen zum Thema „Kriegsende 1945: Ereignisse und Erlebnisse in unserer Heimat“. Auf der Website www.geschichtsverein-hochrhein. de können alle aktuellen Informationen sowie die bisherigen Tätigkeiten des Geschichtsvereins abgerufen werden. Zusätzlich bietet der „Newsletter“aktuelle Informationen.
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Referent Joachim Hartbaum im Gespräch mit dem Vorsitzenden, Manfred Dietenberger aus Waldshut.
BILD: CLAUS TRÖNDLE
im Alb Bote vom 26.11.2011
Hohentengen „Die alten Eichen erzählen 2000 Jahre Geschichte am Hochrhein.“ So heißt das neue Werk des passionierten Hobby-Historikers Herbert Fuchs, das noch vor Weihnachten erscheinen soll. Von den Kelten bis zur Jetzt-Zeit wird auf 200 Seiten ein Abriss der Weltgeschichte und deren Auswirkungen auf die hiesige Region gegeben, vom Autor mit persönlichen Kommentaren im „Gewand“ einer Eiche moralisierend bewertet und kommentiert.
Herbert Fuchs ist 79 Jahre alt und ein Geschichtsmensch. Schon immer hat ihn die große Geschichte, vor allem aber auch die Geschichte in seiner Region interessiert und dabei ganz besonders, wie die Menschen in ihrer Zeit gelebt, gedacht und gefühlt haben.
Die Gemeindechronik „Hohentengen Geschichte und Geschichten“, „Ein Dorf in der Kriegs- und Nachkriegszeit“, das mittlerweile vergriffene Werk über „Die alten Höfe auf dem Südranden“, Kirchengeschichte, eine Sammlung der Flur- und Wegkreuze, zahlreiche Beiträge für die Jahrbücher des Geschichtsvereins wurden von ihm veröffentlicht. Damit wollte er es eigentlich genug sein lassen.
Allerdings reizte es ihn dann doch, zu den realen Ereignissen der Geschichte persönlich Stellung zu nehmen und er kam auf die Idee, stellvertretend für den Autor alte Eichenbäume sprechen zu lassen. Während ihrer Lebenszeit haben die mächtigen, uralten Bäume viele Jahrhunderte gesehen, so manche Gespräche belauschen können und abseits am Wegesrand stehend, das Geschehen aus der Distanz beobachtet.
Vor gut einem Jahr schrieb Herbert Fuchs die ersten Seiten nieder, angefangen mit der keltischen Besiedelung des Hochrheins. Vertreibungen, Herrscherwechsel, Revolutionen, Kriege, aber auch friedliche Zeiten werden skizziert und das menschliche Treiben teilweise „kopf“-schüttelnd von den Eichen betrachtet und kommentiert. Oft können die standhaften Bäume die Irrungen des menschlichen Verstandes nicht nachvollziehen.
Exkurse zu Religion und Moral finden sich in dem Buch ebenso wie fiktive Gespräche von Zeitgenossen.
„Die Sache hat mir enormen Spaß gemacht“, bekennt der Autor und Herbert Fuchs freut sich jetzt doch, dass wieder ein Werk erscheinen kann.
Das Buch endet in der Gegenwart, im Hier und Jetzt, mit einem Ausblick in die Zukunft und auf die Herausforderungen die sich ankündigen: Finanzkrise, Abschied von der Kernenergie, Überalterung, Lohngerechtigkeit, Nachwuchsmangel.
Übrigens stehen die alten Eichen immer noch. Zu finden sind sie im Westen von Hohentengen, in der Fortsetzung der Hansengel-Straße, wo es zum Rheinufer und Schloss Rötteln geht.
Das reich bebilderte Buch soll in absehbarer Zeit bei Autor Herbert Fuchs sowie in den regionalen Buchhandlungen erhältlich sein.
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Viele hundert Jahre haben die Eichen miterlebt, wie auch dieser Baum, oberhalb des Rheins auf Hohentengener Gemarkung gegenüber dem schweizerischen Kaiserstuhl. In seinem neuen Buch ist Herbert Fuchs Sprachrohr der mächtigen Bäume, die 2000 Jahre Geschichte am Hochrhein Revue passieren lassen.
BILD: GEMS-THOMA
im Südkurier am 15.11.2011
Waldshut (luk) Im Zeichen des Geologen, Professor Rudolf Metz, stand der Monatstreff des Geschichtsvereins Hochrhein im Gasthaus Schwanen in Waldshut. Mitglied Franz Falkenstein aus Dogern war der Referent des Abends. Er führte „im wahrsten Sinne des Wortes“, wie er sich ausdrückte, in den Abgrund.
Vor fast genau 20 Jahren ist Professor Metz gestorben. Er wurde 1923 in Karlsruhe geboren, machte 1942 sein Abitur in Freiburg, es folgte 1948 das Studium in Freiburg, 1952 die Promotion über eine petrographisch-lagerstättenkundliche Arbeit. Von 1952 bis 1956 war er Assistent am Mineralogischen Institut in Freiburg, nahm 1958 die Tätigkeit am Geologischen Institut der TU Karlsruhe auf und erhielt die Lehrberechtigung an Hochschulen im Jahr 1971. 1983 übernahm er die Professur. Im Jahr 1988 trat Metz in den Ruhestand und am 18. Oktober 1991 verstarb er überraschend. Franz Falkenstein hatte umfangreiches Dia-Material mitgebracht und ließ so die Anwesenden an seinem Wissen teilhaben. Falkenstein berichtete, dass er selber das Glück hatte, an Exkursionen, die von Professor Metz veranstaltet wurden und sehr beliebt waren, teilzunehmen. Dabei seien einige der Dias entstanden.
Falkenstein selbst war, wenn sich ihm Gelegenheit bot, in verschiedene Gruben geklettert und hat diese erforscht. So konnten die Mitglieder des Geschichtsvereins etwas über die verschiedenen Gruben im Hotzen- und Schwarzwald erfahren, auch wenn es aus der Zeit vor dem mittelalterlichen Erzabbau in dieser Gegend keine schriftlichen Aufzeichnungen mehr gibt. Besonders eindrucksvoll schilderte Franz Falkenstein auch die Entstehung solcher Erzlager, von denen heute noch einige Namen bekannt sind.
Die meisten der Gruben sind heute zurückgebaut und nicht mehr zugänglich, ja der Spaziergänger wird nicht einmal mehr erkennen, wo diese unter dem Gebüsch oder Moos zu finden wären. Namen wie Grube Hermann im Schwarzenbächle, etwa fünf Kilometer südöstlich von Todtmoos oder die Grube Gottesehre bei Urberg sind zwar heute noch bekannt, doch ist nur in Todtmoos ein Schaubergwerk noch zugänglich.
Den Abschluss dieses Diavortrags machte noch ein fotografischer Abstecher in die Abbaustollen der Mühlsteine auf dem Waldshuter Gebiet sowie die Dias, die beim Bau des Heidegger-Tunnels in Tiengen entstanden sind. Dort hatte Franz Falkenstein einen Gang entdeckt und konnte diesen selbst erforschen. Dabei fand er sogar Überreste eines Sauriers.
Dieser Vortrag in die Geschichte der Geologie hat gezeigt, dass in unserer Heimat in früheren Zeiten zwar immer wieder große Armut geherrscht hat, doch war sie auch reich an Bodenschätzen, die natürlich längst ausgebeutet sind.
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Das Foto zeigt Professor Rudolf Metz, links, zusammen mit Ludwig Kühner, ehemaliges Mitglied des Geschichtsvereins Hochrhein am Todtnauer Berg im Jahr 1985.
BILD: FALKENSTEIN
im Alb Bote vom 12.10.2011
Hochrhein (Rvk) Die Erhöhung des Jahresbeitrags um gleich zwanzig Euro, von dreißig auf fünfzig Euro, beschäftigte die Gemüter der anwesenden Mitglieder bei der Hauptversammlung des Geschichtsvereins Hochrhein im historischen Gasthaus Adler in Görwihl. Dennoch wurde die Erhöhung beschlossen. Es gab aber zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen.
Einen Rückblick auf die Aktivitäten des vergangen Jahres gab Schriftführer Werner Schreiber. Die unterschiedlichsten Themen prägten die Treffen der Geschichtsfreunde. Ein Höhepunkt war der Besuch in Tübingen, der Melanchtonstadt. Kassierer Manfred Gallmann berichtete anschließend über den Zustand der Kasse. Leider überstiegen in diesem Jahr die Ausgaben die Einnahmen und Gallmann erinnerte die Mitglieder daran, dass bereits ein Antrag auf Angleichung des Mitgliedsbeitrages, der zuletzt 2002 angepasst wurde, auf der Tagesordnung steht. Die Kassenführung sowie die Vorstandschaft wurden einstimmig entlastet. Aus den Reihen der Mitglieder kam im Rahmen der Aussprache die Frage nach der Entwicklung des Mitgliederstandes. Vorsitzender Manfred Dietenberger musste erklären, dass dieser leider durch Todesfälle rückläufig sei. Er bat darum, dass die Mitglieder verstärkt in ihrem Umfeld Mitglieder werben sollten. Einen besonderen Dank sprach Dietenberger an Ute Beck, Werner Schreiber und Manfred Emmerich aus, die auf eigenen Wunsch ihre Tätigkeiten im Vorstand beendeten.
Die Entlastung des Vorstandes übernahm Günter Hoffmann. Herbert Fuchs erklärte sich bereit, die Leitung der anschließenden Vorstandschaftswahl zu übernehmen. Dietenberger konnte in seinem Amt bestätigt werden, erklärte aber, dass dies seine letze Amtszeit sein werde. Auch der Kassierer Manfred Gallman und Beisitzer Franz Falkenstein konnten wiedergewählt werden. Für die vakante Position des Schriftführers wurde Lucia van Kreuningen von den Mitgliedern in das Amt gewählt. Als Ersatz für den verstorbenen Beisitzer Franz Leber wurde Günter Hoffmann in die Vorstandschaft gewählt.
Für das kommende Jahr strebt Manfred Dietenberger eine dreitägige Herbstausfahrt zusätzlich zur Frühjahrsausfahrt an.
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So sieht der neue Vorstand des Geschichtsvereins Hochrhein aus (von links): Manfred Gallmann (Kassierer), Franz Falkenstein (Beisitzer), Manfred Dietenberger (Vorsitzender), Günter Hoffmannn (Beisitzer) und Lucia van Kreuningen (Schriftführerin). Manfred Emmerich (rechts) und Werner Schreiber (2. von links) schieden aus.
Bild: Rh. v. Kreuningen
im Alb Bote vom 14.9.2011
Waldshut (luk) Einen Abstecher in die Geschichte von bekannten Familien aus Waldshut unternahmen die Mitglieder des Geschichtsvereins Hochrhein bei ihrer ersten Zusammenkunft nach der Sommerpause. Treffpunkt war der alte Friedhof und die von Adam Tröndlin im Jahre 1683 erbaute Gottesackerkapelle sowie die noch erhaltenen Grabstätten von bekannten Waldshuter Familien. Stadtführerin Karin Lindemann machte besonders deutlich, dass die Geschichte in Waldshut einiges für die jüngeren Generationen zu bieten hat. Handel und Gewerbe in Waldshut waren schon früher erfolgreich. Wie „rollende Kieselsteine in der Geschichte von Waldshut“, wie Karin Lindemann dies ausdrückte, fügten sich die zum Teil noch heute bekannten Namen von Unternehmern zu einem Bild aus vergangenen Zeiten. Dass natürlich auch Armut vorhanden war, besagten die vielen Stiftungen und Armenfürsorgeeinrichtungen über die Lindemann erzählte. Eine ganze Reihe von Stiftungen, in der Hauptsache Stiftungen von damals vermögenden Geschäftsfrauen, konnte Karin Lindemann aufzählen. Besonders beeindruckt waren die Zuhörer von der Geschichte der kleinen taubstummen Elise Rain, die 1877 als uneheliche Tochter einer Magd im Spital geboren wurde und mit der Hilfe der Spitalstiftung sogar nach Meersburg zur Ausbildung kam. Oft musste die Witwe eines Handwerkers oder des viel zu früh verstorbenen Fabrikanten das Geschäft ohne Vorbereitung weiterführen. Galt früher doch, dass die Frauen den Haushalt zu führen und die Kinder zu gebären hatten, jedoch von jeglicher Ausbildung in geschäftlichen Belangen ausgeschlossen waren.
Dass jedoch hinter jedem erfolgreichen Handwerker oder Industriellen eine geschäftstüchtige Frau stand und meist auch heute noch steht, hat oft den handwerklichen Betrieb für die nachfolgende Generation und damit den Fortbestand der Dynastie gerettet.
Die Zuhörer zeigten großes Interesse an der Geschichte des Waldshuter „Intelligenz Blattes“ und den Erzählungen über die Gründerfamilie Andreas Maier. Auch hier war es die Witwe Anna Maier, diedie Firma weitergeführt hat. Zeigte diese Geschichte doch auf, wie die heute noch bestehenden Zeitungen Alb-Bote und SÜDKURIER entstanden sind.
im Alb Bote vom 16.3.2011
Waldshut (eis) Beim jüngsten Treffen des Geschichtsvereins stand das Gurtweiler Schloss im Mittelpunkt eines Bildvortrages. Dabei nannte Referent Hans Bernhard aus Waldshut, der sich jahrelang mit der Geschichte von Schloss und Propstei sehr intensiv beschäftigt hatte, diese Gebäudeeinheit ein besonderes Kulturgut der Region.
Auf dem Platz des Schlosses stand schon in römischer Zeit eine Villa rustica, ein stattlicher Bauernhof. Um 700 war dort ein fränkisches Mustergut, ehe Ritter sich dann dort eine Burg erbauten. Diese kam 1502 an die aus der Schweiz stammenden Heidegger. Mehrere Vertreter dieses Geschlechts waren in Waldshut auch Waldvögte (heute etwa Landräte). Nach einem Brand im Jahr 1600 baute Ritter Hans Ludwig von Heidegg die Burg als Wasserschloss wieder auf. Der Landgraben lieferte das Wasser für den tiefen Graben rund um die Burg. Als die Heidegger in männlicher Namensfolge ausstarben, erwarb das Kloster St. Blasien das Schloss samt Dorf Gurtweil 1646 für 44 000 Gulden.
Ein Großbrand im Jahr 1660 äscherte das Schloss bis auf die Grundmauern ein, dazu noch 13 Häuser des Dorfes. Abt Franz I. von St. Blasien ließ das heutige Schloss mit der noch vorhandenen Kapelle neu aufbauen. Patres der Abtei wurden eingesetzt zur Versehung der Pfarrei Gurtweil und zur Verwaltung der in der Umgebung befindlichen sanktblasischen Güter. Das Kloster nannte diese Verwalter Pröpste und führte das Ganze unter dem Namen Propstei Gurtweil bis zur Aufhebung durch den neuen badischen Staat 1806.
Das Schlossgebäude in Gurtweil wurde unter Abt Blasius Bender barockisiert. Ein Teil der Innenräume zeigt heute noch kunstvolle Stuckdecken mit herrlichen Gemälden. Zu den Kunstwerken zählt auch der einmalige „Kaiserofen“, 1725 erstellt, vielleicht in Grafenhausen, Meister unbekannt. Die über hundert blau gemalten Kacheln zeigen griechische Philosophen und Dichter, römische Kaiser, deutsche Kaiser und Könige, Habsburger mit ihren Gemahlinnen. Wer hat schon wie Hans Bernhard sämtliche Kacheln einzeln fotografiert und die Lebensgeschichte aller gezeigten Persönlichkeiten mit den Bildern aufgezeichnet?
Mit der Aufhebung des Klosters St. Blasien 1806 fiel auch sein Besitz in Gurtweil an den badischen Staat. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 zogen österreichische Soldaten im Kampf gegen Napoleon durch das Hochrheintal. Viele erkrankten an Typhus. Im leerstehenden Gurtweiler Schloss wurde ein Lazarett eingerichtet. Über 3000 der Soldaten starben hier und wurden innerhalb der Schlossmauern beerdigt.
Der letzte Teil des mit großem Beifall aufgenommenen Referates galt der Neuzeit des Schlosses und seiner Verwendung als „Rettungsheim für gefährdete Mädchen“, Erziehungsheim für rund 75 Mädchen mit eigener Volks- und Berufsschule bis zu den heutigen Caritaswerkstätten Hochrhein.
im Alb Bote vom 2.3.2011
Dogern Ein um das schulische und kulturelle Leben von Dogern höchst verdienstvoller Mann, Rektor i.R. Anton Englert, starb am 1. März 1986 im Alter von 76 Jahren. Der in Freiburg ausgebildete Pädagoge war 1934 nach Dogern gekommen, wo er 1935 seine Berufskollegin Johanna Heim heiratete, die in Kadelburg unterrichtete. Drei Töchter gingen aus der Ehe hervor. 1940 wurde Englert einberufen und kam 1943 in Tunesien in amerikanische Gefangenschaft. 1947 kehrte er nach Dogern zurück, wo er anfänglich bis zu 180 Kinder zeitweise allein unterrichten musste. Von 1963 bis 1978 leitete Englert die Schule. Außerhalb der Schule war Englert für den Dogerner Männerchor tätig, inszenierte Laienspiele, war Gründungsmitglied der Dogerner Narrenzunft und des Geschichtsvereins Hochrhein.
im Alb Bote vom 30.12.2010
Waldshut (eis) Beim jüngsten Treff des Geschichtsvereins Hochrhein konnte Vorsitzender Manfred Dietenberger den Jahresband 2010 vorstellen. In 17 meist reich bebilderten Aufsätzen von 13 Autoren birgt die 135 Seiten starke Schrift wieder Interessantes aus der Geschichte des Kreisgebietes.
In seiner Suche nach Kleindenkmalen stellt Franz Falkenstein die noch vorhandenen Grenzsteine von Waldshut vor. Über die historischen Grabdenkmäler auf dem alten Kirchhof in Hohentengen berichtet Herbert Fuchs, sen. Am deutschen Rheinufer zwischen Hohentengen und Lienheim liegt die Ruine „Weißwasserstelz“. Über die Rechte und den Besitz der ehemaligen Burgherren gibt Eugen E. Sigg in einer längeren Abhandlung Kunde; weiter schreibt er über den Besitz des Frauenklosters Berau in Lienheim. Günter Hoffmann erläutert mit Farbaufnahmen die Votivbilder der St.Cyriak-Kapelle auf dem Dürrenbühl bei Grafenhausen-Rothaus; ein weiterer Aufsatz gilt den ehemaligen Glasträgern im Schwarzwald. Derselbe Autor widmet einen Beitrag der nach einer Kinderlähmung mit dem Mund malenden Künstlerin Irene Schricker aus Tiengen (1927-1991). Den 50-jährigen Kampf der Kirchengemeinde Murg um eine neue Pfarrkirche lässt Konrad Lüthy nachempfinden, und Richard Kaiser erinnert mit einem Aufsatz „Vom Dorf zur Stadt“, dass das ehemals selbständige Obersäckingen gerade vor 75 Jahren der Stadt Säckingen einverleibt wurde. Was sich in den beiden Jahren 1806 / 1807 bei der Aufhebung des Klosters St. Blasien in dieser damals fürstlichen Abtei abspielte, belegt mit reichem Zahlenmaterial Paul Eisenbeis. Er erinnert in einem weiteren Beitrag über den Expressionisten August Babberger (1885-1936), dessen Mutter eine echte Hotzenwälderin aus Strittmatt war. Von dem seltenen Fund in einem Zürcher Archiv über einen Großbrand Anno 1581 in Krenkingen berichtet Manfred Emmerich. Dann lässt Silvia C. Baumgartner das große Fest der Fahnenweihe in Kadelburg vom 27. bis 29. Mai 1922 lebendig werden. Manfred Dietenberger erinnert an die Zeit, „Als die Waldshuter ihr Geld noch selber prägten“. Einen Beitrag zur neueren Stadtgeschichte liefert Hermann Oesterle mit der „Schulspeisung in Tiengen von Januar 1947 bis Mai 1950“.
Ein ungeklärtes Ereignis, das mit dem Tod eines Murger Soldaten im 1. Weltkrieg auf der Fahrt zu einem Heimaturlaub im Zug endete, skizziert Werner Vökt, und schließlich hält Lucia van Kreuningen die Jahresexkursion 2010 des Vereins nach Oberschwaben fest.
Erhältlich ist der Band 2010 des Geschichtsvereins in den Buchhandlungen Fleck/Waldshut, Kögel in Tiengen und „Gallusturm“ in Bad Säckingen.
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Illustration zum Beitrag über das Münzwesen in Waldshut.
Repro: Dietenberger
im Alb Bote vom 14.12.2010
Waldshut (luk) Wie sah das Söldnerwesen im 18. Jahrhundert aus? Dieser Frage ging Werner Vökt aus Murg bei seinem Referat anlässlich des Monatstreffs des Geschichtsvereins Hochrhein im Dezember nach.
Angefangen haben die Recherchen von Werner Vökt bei der Suche nach seinen Vorfahren, also der Ahnenforschung. Hierbei stieß Vökt auf einen Eintrag im Taufbuch von Obersäckingen über einen Jakob Vökt, der 1783 in Alexandria, so die Eintragung im Taufbuch verstorben war. Wie Vökt nun berichtete, suchte er dieses Alexandria lange Zeit vergebens, bis er auf einen Vermerk auf Italienische Schreibweise aufmerksam wurde. Gemeint war der italienische Ort Alessandria und damit auch die dort noch bestehende Zitadelle. Eine Reise zu diesem Ort und der Besuch des dortigen Archivs brachten für ihn umfangreiche Erkenntnisse über die Soldaten des „Regiment Royal Allemand“.
Wie aber kommen nun Soldaten aus unserer Gegend zu diesem Regiment, auch dieser Frage war Werner Vökt nachgegangen und konnte feststellen, dass Soldaten aus Wallbach, Säckingen, Schwaderloch, Birkendorf, Ühlingen in den Verzeichnissen zu finden waren. Die damalige Zeit der Unruhen in der Heimat, auch das Bestreben von sogenannten „Werbern“ mögen dazu beigetragen haben, dass sich meist junge Männer zu diesen Regimentern verpflichtet haben. Feststellen konnte Vökt auch, dass sehr viele dieser Soldaten nicht lange bei diesem Regiment Royal Allemand ihren Dienst absolvieren konnten. Allein im Jahr 1760 starben 62 Soldaten im ersten Dienstjahr. Bei einer Regimentsstärke von 1000 Soldaten eine beträchtliche Zahl. Sehr gut gegangen war es den Soldaten auch im Jahr 1782 vermutlich nicht, denn die Verzeichnisse berichten von 120 desertierten Soldaten. Noch heute gibt es in Alessandria diese Zitadelle und sie wurde vom Militär noch bis zum Jahr 2007 für militärische Zwecke genutzt.
Sehr aufmerksam lauschten die trotz Schnee und Kälte zum Treff erschienen Mitglieder und Gäste des Geschichtsvereins Hochrhein den Ausführungen von Werner Vökt. Im Anschluss erhielten die Mitglieder das neue Jahrbuch des Geschichtsvereins, das ebenso mit viel Spannung erwartet worden war.
im Alb Bote vom 9.9.2010
Waldshut (eis) „Der Mensch neigt dazu, die Vergangenheit zu glorifizieren. Wer hat nicht schon von der guten, alten Zeit geredet? Wie schön es doch unsere Vorfahren gehabt haben“, so Herbert Fuchs sen. aus Hohentengen bei seinem jüngst herzhaft gehaltenen Referat beim Geschichtsverein Hochrhein in Waldshut. Dabei fand er gar nicht so viel Gutes in seinem Rückblick auf früher.
Er erinnerte an Missernten und Hungersnöte, an die vielen Kriegszeiten mit Plünderungen, an Seuchen und Krankheiten und belegte diese vergangenen Epochen mit Zahlenmaterial. Anno 1511starben in der nicht einmal tausend Einwohner zählenden Stadt Waldshut 568 Menschen an der Pest. 1634/35 raffte die Pest ein Fünftel der Bevölkerung des Gebietes um Hohentengen dahin. Die in den 1840er Jahren aus Irland eingeschleppte Kartoffelfäule hatte bei uns eine große Hungersnot im Gefolge. Viele Menschen starben vorzeitig, viele wurden aus der Not gezwungen, nach Amerika auszuwandern.
Fürchterliche Unwetter und Hagelschläge wurden früher nicht als Naturkatastrophen angesehen. Hexen waren daran schuld. Verdächtigt waren vor allem Frauen schnell. Viele sagten unter grausamen Folterungen zu, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. So starben im letzten Hexenprozess in unserer Gegend im nahen Wasterkingen (Schweizer Nachbardorf von Günzgen) im Jahr 1701 noch acht Personen durch den Henker.
Der Referent ließ die obrigkeitliche Willkür früherer Zeit noch einmal aufleben in Prozessen um Leib und Leben mit dem Abhacken von Gliedmaßen bis zum Augenausstechen. Nicht zu vergessen auch die als drückend empfundene Leibeigenschaft mit den schweren Abgaben im Todesfall. 1730 lebten in der Grafschaft Hauenstein rund 20 000 Menschen; 11 500 davon waren allein Leibeigene des Klosters St. Blasien.
Hatte eine Familie einst zehn oder zwölf Kinder, war die Armut in den meisten Fällen vorprogrammiert. Da gab es keine Hilfe wie heute. Und die Arbeit wurde mehr als gering bezahlt. „Früher musste ein Mann für einen Doppelzentner Weizen eine Woche arbeiten heute schafft er das in einer Stunde“, so Herbert Fuchs und weiter: „So gut, wie es uns heute geht, hatte es noch keine Generation zuvor.“
im Alb Bote vom 1.9.2010
Kreis Waldshut (luk) Auf die Spuren der Kaufmannsfamilie Humpis aus Ravensburg begaben sich die Mitglieder des Geschichtsvereins Hochrhein bei ihrer diesjährigen Herbstexkursion.
Ziel war die Stadt Ravensburg, die im Jahr 1088 erstmals urkundlich erwähnt wurde. An der Reiseroute lag der Ort Goldbach mit der kleinen Kapelle St. Sylvester, wo der erste Halt gemacht wurde. Trotz des leichten Regens lauschten die Teilnehmer vom Hochrhein den Ausführungen von H. Börnert über die Geschichte und vielen Renovierungen dieses kleinen sakralen Bauwerks.
Bei der Weiterfahrt nach Weingarten klärte sich dann auch der Himmel auf und einer Führung mit Besichtigung der Basilika unter der Leitung von Professor Norbert Feinäugle stand nichts mehr im Wege. Der zweite Tag gehörte ganz der Stadt Ravensburg mit ihrer wechselvollen Geschichte. Ravensburg war bis 1803 eine freie Reichsstadt. Die Geschichtsfreunde vom Hochrhein erfuhren, dass der Kern der Stadt als Burgsassen-Siedlung unterhalb der mächtigen Stammburg der Welfen auf dem Höhenrücken zwischen Flappach und Schussental entstanden war. Geschichtlich festgehalten ist, dass die erste Burg der „Welfen“ in Altdorf-Weingarten stand, bevor diese etwa um 1050 eine neue, größere Burg, die „Ravensburg“ errichteten. Heute heißen die Reste der Burg „Veitsburg“ nach dem Schutzpatron der damaligen Burgkapelle St. Veit. Ein Höhepunkt der Exkursion war jedoch der Besuch des „Humpis-Quartiers“, das heute das Stadtmuseum beherbergt. Das Quartier wurde in den vergangenen Jahren aufwendig restauriert und umfasst sieben Häuser. Das ehemalige Wohnhaus der Kaufmannsfamilie Humpis erzählt die Geschichten der einstigen Bewohner. Der dritte und letzte Tag der Exkursion gehörte der jüngeren Geschichte. Auf dem Heimweg machten die Geschichtsfreunde noch einen Abstecher in die Schweiz und zwar zum Arenenberg in der Gemeinde Salenstein im Kanton Thurgau. Die einstige Residenz der vormaligen holländischen Königin Hortense de Beauharnais und des späteren französischen Kaisers Napoleon III. fand großes Interesse der Teilnehmer.
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Ein Besuch der Basilika in Weingarten durfte bei der Exkursion des Geschichtsvereins Hochrhein natürlich nicht fehlen. Bild: van Kreuningen
im Alb Bote vom 20.5.2010
Hohentengen Was macht Geschichte lebendig? Die Schilderung der Menschen hinter den bloßen Fakten, Einblicke in ihre Lebensbedingungen, ihre Schicksale, die Frage, was sie bewegt hat. Einer, der gerne auf den Spuren vergangener Tage wandelt und sich vor allem für das „Menschliche“ historischer Zeiten interessiert ist Gemeindechronist Herbert Fuchs.
Geschichte, das hat ihn eigentlich schon immer fasziniert. Warum? Darüber hat der umtriebige Pensionär noch nicht nachgedacht. Wenn er durch die Umgebung streift und einen alten Mauerrest entdeckt, ist sein Interesse geweckt. Die „Schreiberei“ begann mit dem Verfassen der 380 Seiten langen Gemeindechronik. Zehn Jahre hat Herbert Fuchs dafür recherchiert, zunächst nur für sich, ohne Absicht, die Geschichte in Buchform zu bringen. Auf diese Idee brachten ihn erst Kollegen aus den Geschichtsvereinen.
Als der ehemalige Gemeinderechner pensioniert wurde, hatte er mehr Zeit, seinem großen Hobby nachzugehen und sein Wissen auch zu Papier zu bringen. „Ich bin in diesem Sinne kein Historiker. Was ich hier vor Ort kenne, darüber vertiefe ich mein Wissen und schreibe es auf. Über eine fremde Gemeinde schreiben, das könnte ich nicht. Da fehlt
mir das Herzblut, die Verbindung zum Ort.“
Faszination, Engagement, mitfühlendes Erleben das alles spürt der Zuhörer, wenn Herbert Fuchs in einem Vortrag vergangene Tage beleuchtet. Wie kürzlich in der Pfarrgemeinde, als er lebendig und eindrücklich die sozialen Verhältnisse der Väter und Vorväter in der Gemeinde nachzeichnete. Zeiten, in denen die medizinische Versorgung schlecht, die Arbeit knapp und hart und Wohlstand für die allermeisten ein Fremdwort war.
Recherche und Schreiben Herbert Fuchs macht beides gerne, zumal der Computer das Schreiben heute sehr erleichtert hat. „Ahnenforschung ist wie eine Schatzsuche. Wenn man in einem Archiv fündig wird, nachdem man tagelang gesucht hat, ist das ein echtes Glücksgefühl“, beschreibt er enthusiastisch.
In seinen Büchern hält Herbert Fuchs mit seiner Interpretation der Geschichte nicht hinterm Berg, er deutet, bezieht Stellung, nimmt Anteil und kommt mitunter ins philosophieren.
Wie lange sitzt er normalerweise am Schreibtisch? „Das ist sehr unterschiedlich. In der Regel sitze ich am Vormittag im Büro, am Nachmittag bin ich mit dem Traktor unterwegs.“ Wildgehege, Fischweiher, Wald und Obstbäume, das alles will gepflegt sein. Mit Natur und Landwirtschaft ist der ehemalige Landwirt immer noch sehr verbunden.
Seine Heimat, ja, die liebt er aber auch die Ferne. Viele seiner Reisen führten ihn in den Vorderen Orient, „eine Region, in der einem viel Geschichte begegnet.“ „Das schönste von einer Reise ist allerdings die Heimfahrt“, gibt er augenzwinkernd zu.
Gibt es ein neues Projekt? Es kommt ein entschiedenes „Nein“, dann ein zögerliches „Ja...“ und schließlich ein vages „wahrscheinlich nicht“. Man darf gespannt sein...
Herbert Fuchs sen. (78) war Landwirt, nach Aufgabe seines Hofes fand er Arbeit auf dem Bau und in der Fabrik. Später wurde er Postbeamter und von 1970 bis 1996 war er Gemeinderechner Hohentengens. 1992 erschien die Gemeindechronik „Hohentengen Geschichte und Geschichten“, für die er zehn Jahre recherchiert hat.
1999 veröffentlichte er „Ein Dorf in der Kriegs- und Nachkriegszeit“ mit Erinnerungen aus Jugendtagen, 2008 den illustrierten Band „Die alten Höfe auf dem Südranden“. In zwei Broschüren widmet er sich der Pfarrei St. Maria und den Flur- und Wegkreuzen in der Gemeinde. Zudem hat er zahlreiche Beiträge für die Jahrbücher des Geschichtsvereins Hochrhein verfasst.
im Alb Bote vom 15..4.2010
Waldshut-Tiengen (eis) Einmal mehr konnte Günter Hoffmann aus Tiengen die Mitglieder des Geschichtsvereins Hochrhein mit einem Bildvortrag zur „Glaskunst auf dem Wald“ begeistern. Damit war der südliche Schwarzwald gemeint mit den einstigen Glashütten um St. Peter, Schluchsee, Blasiwald, Todtmoos und Äule.
Geistliche und weltliche Herrschaften waren früher besonders interessiert an den Glasmachern. So die Klöster St. Peter, St. Blasien und die Fürsten von Fürstenberg. Sie verfügten über große Waldgebiete. Und Holz war der wichtigste Rohstoff für die Glashütten, die allein 97 Prozent des Holzverbrauchs für die Asche benötigten, dagegen nur 3 Prozent zur Feuerung der Glasöfen. Den Glasmachern wurden vertragsweise nur unwegsame, karge Wälder pachtweise angeboten. So wurde durch die Rodung unbewohnter Waldungen auch Neuland in Weide- und Ackerland mit Siedlungen verwandelt. Die Wohnhäuser der Glasmacher waren einfach aus Holz gezimmert und mit Schindeln gedeckt, deshalb der Name Hütten.
Den Glasmachern gewährte man für ihre harte Arbeit auch Vorzüge. So waren sie von Wehr- und Frondienst freigestellt, und ihnen war erlaubt, auch nachts zu arbeiten. An den bis auf 1000 Grad aufgeheizten Glasöfen schafften bis acht Glasbläser. Das Kloster St. Blasien vermarktete die Erzeugnisse seiner Glashütten selbst. Die in Kompagnien zusammengeschlossenen Glasträger waren ständig unterwegs und trugen die Glaswaren in großen Krätzen (Rückentragkörbe) durch ganz Europa. Dabei brachten sie aus der Fremde auch für sie neue Gegenstände in den Schwarzwald mit. Zum Beispiel eiserne Uhren aus Böhmen, die Schwarzwälder Tüftler in Holz umsetzten. Bedeutende Glasbläsereien waren bei uns in Alt- und Neuglashütten, ab 1579 dann in Blasiwald und von 1716 bis 1878 in Äule. Das beste Glas in Qualität und Form kam aus dem Bereich des Klosters St. Blasien. Die Klöster brauchten schon wegen ihrer großen Bauten Unmengen an Fensterglas.
Der Referent ließ schließlich in Bildern eine Fülle von einstigen Gebrauchsgläsern aufleuchten, von Bechern, Hochzeitsgläsern, Pokalen und Schnapsbuddeln, aber auch von feinen Zuckerdosen und Nähkörbchen mit farbiger Glasschmelze verziert bis zu Milchgläsern. Die Rezepturen wurden über Generationen geheim gehalten.
im Alb Bote vom 8..4.2010
Niederwihl In Niederwihl, Gemeinde Görwihl, ist auf einer Wiese die Erde eingebrochen. An einer Stelle in der Nähe des Friedhofs befinden sich zwei Löcher von je einem Meter Durchmesser.Entstanden sind sie durch einen Traktor mit Güllewagen. Das Gewicht der Fahrzeuge brachte die Erde zum Einstürzen. Dem Landwirt ist nichts passiert. Er konnte die Fahrt fortsetzen und den Güllewagen aus den Löchern ziehen.
Die Löcher sind etwa 1,50 Meter tief. Außergewöhnlich ist, dass sie den Blick auf einen Stollen frei geben. Der nicht abgestützte Stollen führt von Nordwesten nach Südosten durch die Löcher hindurch.
Über die Osterfeiertage nahmen mehrere Interessierte die Löcher in Augenschein. Der Landwirt hatte sie mit Markierungen gekennzeichnet.
Die Erde auf dem Feld in Niederwihl ist offenbar nicht zum ersten Mal eingebrochen. Nach einem früheren Einsturz wurden die Löcher einfach wieder mit Erde verfüllt. Dasselbe hat der Landwirt, der das Feld bewirtschaftet, auch jetzt vor, wie gestern zu erfahren war.
Spekulationen, dass es sich bei den Stollen um Rettungsstollen für die Bevölkerung aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) handeln könnte, widerspricht der Görwihler Heimatforscher Paul Eisenbeis. Eisenbeis geht davon aus, dass der Stollen der Wasserführung diente. „Das ist ein Wassergang“, stellt er klar. „In vielen Dörfern wurden Gänge für das Wasser gegraben“, so Eisenbeis. Auch im Nachbardorf Rüßwihl befinden sich Stollen, die in den Berg hinein getrieben wurden, um nach wasserführenden Schichten zu suchen. Paul Eisenbeis datiert die Entstehung des Niederwihler Stollens „sehr wahrscheinlich“ auf die Zeit zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert. Aber eben: Er wurde nicht gebaut, um Schutz vor den einfallenden Kriegsmächten zu bieten.„Eher hat die Bevölkerung ihr Hab und Gut darin versteckt“, vermutet er. Eisenbeis bringt den Bau von Wasserstollen mit der zunehmenden Bevölkerung und dem steigenden Wasserverbrauch in Verbindung. Die Stollen wurden nach Hinweisen von Wünschelrutengängern in Eigenregie gebaut.
Möglicherweise befand sich an der Stelle, wo die Erde eingebrochen ist, ein Haus mit Brunnen. Möglich sei auch, dass das Wasser durch den Stollen zu einem Weiher geführt wurde. Von dem Weiher aus konnten die Felder mittels Wühren bewässert werden.
Auch in anderen Gemeinden im Hotzenwald und der benachbarten Schweiz hat es in den vergangenen Jahren Löcher in der Erde gegeben.
Jungholzer Loch: In der Nähe des Rickenbacher Ortsteils Egg stolperten an Ostern 1996 vier Buben fast in einen Krater, als sie ihren Heimweg vom Solfelsen über eine Wiese abkürzten. Der Untergrund war eingebrochen und gab den Blick in einen dunklen Gang frei. Die Ersterkundung des Lochs unternahmen Beamte des Landesbergamtes. Sie stiegen drei Wochen später mit Helm und Grubenlampe in den Stollen und fanden heraus: Der unterirdische Gang war 36 Meter lang und von Menschenhand geschaffen. Zu welchem Zweck wussten auch die Bergbaubeamten nicht. Weil der Gang einsturzgefährdet war, wurde er gesprengt.
Hellikoner Loch: Auch im aargauischen Hellikon im Fricktal tat sich diesen Winter die Erde auf. Unterirdische Kräfte rissen über Nacht zwei bis zu 20 Meter tiefe Löcher in einen Acker. Geologen suchen seither nach den Ursachen. Möglicherweise handelt es sich um Karsteinbrüche in Hohlräumen, wie sie bei Kalkschichten vorkommen können. Möglich sei auch, so die Experten, dass die Löcher mit einem Höhlensystem in Verbindung stehen. Die Löcher in Hellikon könnten durch abrupte Temperaturwechsel, Frost und Auftauen, verursacht worden sein.
im Alb Bote vom 7.11.2009
Auch wenn man es vielleicht kaum mehr für möglich hält, es gibt tatsächlich Neues aus der Geschichte des Hotzenwaldes. Das meiste, was wir inzwischen über das Leben der Altvorderen wissen, stammt aus alten Kirchenbüchern, Prozessakten, Kauf- und Schenkungsurkunden. Dem längst Bekannten kann heute nur Neues hinzugefügt werden, wenn bei der Heimatforschung die bisher beschrittenen, oft ausgetretenen Wege verlassen werden. So wurde zum Beispiel den Scheibenrissen bisher keine Beachtung geschenkt.Bildtext:
Bemerkenswertes Zeugnis des Alltags im Hotzenwald vor 450 Jahren: Der Glasmaler Hieronymus Caspar Lang der Ältere schuf diesen Scheibenriss, einen Entwurf für ein Glasfenster, 1555 oder 1556 und setzte darunter handschriftlich die Zeile: „Schwartzwald under der graffschaft Howenstein“. REPRO: DIETENBERGER
Manfred Dietenberger
im Alb Bote vom 21.11.2009
Grießen Fachgerecht geordnet, dokumentiert und übersichtlich in neuen Archivschränken untergebracht ist das Archivgut der Pfarrei St. Peter und Paul Grießen. Die Übergabe der neu erstellten Archivverzeichnisse Grießen und Geißlingen fand während einer Feierstunde im Pfarrhaus Grießen statt. Pfarrer Thomas Mitzkus dankte den Heimatgeschichtlern Manfred Emmerich aus Tiengen und Walter Bernhart aus Grießen, die für diese schwierige Aufgabe gewonnen werden konnten.
„Die Beiden haben sich bei dieser Aufgabe als wahres Dream-Team gezeigt. Für ihren Einsatz bin ich sehr dankbar. Normalerweise obliegen diese Archivierungsarbeiten den Pfarrern, die dafür aber nicht die nötige Zeit aufbringen können. Entsprechend durcheinander sind die Archive dann oft“, so Mitzkus. Unterstützt wurden Bernhart und Emmerich von Pfarrgemeinderätin Barbara Soika und Pfarrsekretärin Franziska Schmidle.
Notwendig wurde die neue Unterbringung durch die Renovierung und räumliche Neueinteilung des Pfarrhauses in Grießen. Seit dem Frühjahr waren die beiden Mitglieder des Geschichtsvereins Hochrhein dabei, das gesamte Archiv systematisch zu ordnen, zu erfassen und übersichtlich in den Schränken unterzubringen.
Schon zu Beginn der Archivarbeit haben sich zahlreiche Überschneidungen von Archivdokumenten ergeben, die auch die Pfarrgemeinde St. Katharina Geißlingen betreffen. Die Pfarrei Geißlingen war vor 1910 eine Filiale von Grießen. Aus diesem Grund war es notwendig, dass auch die Archivalien im Pfarrhaus in Geißlingen geordnet und in einem Archivverzeichnis erfasst werden mussten. Erschwert wurde die Arbeit dadurch, dass in beiden Pfarrarchiven kein altes Verzeichnis vorhanden war. Darüber hinaus mussten viele Einzelblätter und Dokumente erlesen, zugeordnet oder zusammengefasst werden eine Zeit raubende Tätigkeit, zumal, wenn die Schrift verblichen oder ein schlechter Schreiber am Werk war.
Rund 450 Jahre umfasst der Bestand in Grießen. Zu den ältesten Dokumenten zählt ein Aktenbündel über die der Pfarrei zustehenden Grundzinsen, das bis ins Jahr 1581 zurückgeht. Ansonsten haben keine Unterlagen die Überfälle und die Brandschatzung durch die schwedisch-französischen Truppen des 30-jährigen Krieges überstanden. So beginnen die Tauf-, Ehe- und Totenbücher erst 1647.
„Mit Bedauern“, so die beiden Hobby-Historiker, „müssen wir feststellen, dass im Bereich der Ortsgeschichte Grießens nur bescheidene Unterlagen vorhanden sind. So ließen sich beispielsweise für die Zeit der Reformation und des Bauernkrieges keine neuen Quellen erschließen.“ Dies betrifft auch den Reformator Thomas Münzers, der sich im November/Dezember 1542 in Grießen aufgehalten hat.
Dennoch stellen die alten Rechnungsbücher, deren früheste Exemplare in Grießen aus dem Jahre 1630 und in Geißlingen aus dem Jahre 1758 stammen, eine wichtige Grundlage dar für die lokale Geschichtsschreibung. Diese geben Aufschluss darüber, welche Feste gefeiert, wofür Geld ausgegeben wurde und welche Vereine seinerzeit bestanden. Eine ähnliche Quelle sind die Verkündbücher. Diese beginnen im Jahre 1825.
Besonders stolz ist die Pfarrgemeinde Geißlingen auf die Errichtungsurkunde der Pfarrei Geißlingen aus dem Jahre 1910. Sie ist in beiden Archiven im Original vorhanden und ist ein besonders schön gestaltetes, ortgeschichtliches Dokument für das im nächsten Jahr zu feiernde 100-jährige Jubiläum der Pfarrei Geißlingen.
Bildtext: Franziska Schmidle, Pfarrsekretärin, Walburga Kammerl, Pfarrgemeinderätin Grießen, Walter Bernhart, Barbara Soika, Pfarrgemeinderätin Geißlingen, Manfred Emmerich und Pfarrer Thomas Mitzkus (von links) vor dem neuen Pfarrarchiv.
Bild:HOLZWARTH
im Alb Bote vom 17.11.2009
Aufsehen erregte vor einiger Zeit die Entdeckung und Freilegung von Gräbern aus der Merowingerzeit bei Stühlingen. Die Grabungskampagne 2009 ist abgeschlossen. Franz Falkenstein aus Dogern war als ehrenamtlicher Helfer beteiligt. Jetzt zeigte der Fachmann für „Unterirdisches“ in 150 brillanten Dias den Ablauf und die Ergebnisse solcher Ausgrabungen vor dem Geschichtsverein Hochrhein in Waldshut.
Die Merowinger sind ein fränkisches Königsgeschlecht in der Zeit von etwa 500 bis 750 nach Christi Geburt, beginnend mit Chlodwig I., der im Jahr 511 gestorben ist. Dieser besiegte in einer denkwürdigen Schlacht bei Zülpich 498 die Alemannen und schuf nach seiner im selben Jahr erfolgten Taufe zum Christentum ein großes fränkisches Reich
In mehreren Grabungskampagnen wurden bei Stühlingen über 100 Gräber aus dieser Zeit freigelegt. Darunter als Sensation erstmals auf der rechtsrheinischen Seite einen Sarkophag aus Muschelkalk mit angebauten Steinkistengräbern. Die Gräber wurden in verschiedenen Ausgrabungsstadien fotografiert, vermessen und gezeichnet. Die meisten der in geringer Tiefe vorgefundenen Gräber waren allerdings schon in der Frühzeit durch Grabräuber ausgeraubt. Zum Glück fand man aber auch noch komplette Gräber. Als Grabbeigaben hatten die Männer Langschwerter und Dolche, Ledergürtel und Speerspitzen bei sich. Die beigesetzten Frauen trugen ihren Schmuck, Perlen, Gürtelkettchen und Fibeln. Mit drei Münzen gelang dem Referenten selbst ein außergewöhnlicher und wichtiger Fund, lassen doch die Inschriften auf den Münzen eine genaue Datierung der Grablegen zu. Allerdings mussten die wertvollen Grabbeigaben nach der Kartierung umgehend nach Rastatt an das zuständige Landesamt zur vorläufigen Deponie abgeliefert werden; wichtige Skelettteile kamen nach Konstanz.
Im 8. Jahrhundert erfolgte der Niedergang der Merowinger. Sogenannte „Hausmeier“ übernahmen die Staatsführung, und mit Karl Martell, der 732 bei Tours und Poitiers das Frankenreich vor den einbrechenden Mauren erfolgreich verteidigte, begann die Dynastie der Karolinger.
Vorsitzender Manfred Dietenberger informierte über das letzte diesjährige Treffen des Vereins am 3. Dezember, bei dem auch die Jahrbücher 2009 ausgehändigt werden.
Paul Eisenbeis
im Alb Bote vom 30.10.2009
Manfred Dietenberger bleibt an der Spitze des Geschichtsvereins Hochrhein e.V. In der Hauptversammlung in Gurtweil wurde er in seinem Amt bestätigt. In den Berichten wurde ein sehr gutes Vereinsjahr mit zahlreichen Vorträgen und Exkursionen wieder lebendig.
Nach einem Gottesdienst in der katholischen Pfarrkirche Gurtweil ging Manfred Emmerich vor Ort auf die Geschichte und auf die reichhaltige künstlerische Ausstattung des 1740 erbauten Gotteshauses ein. Damals erhielt die Kirche die beiden Apostel Simon und Judas Thaddäus als Patrone.Einziges Relikt der Vorgängerkirche ist der gerade 400-jährige Taufstein.
Anschließend an das gemeinsame Mittagessen in Bad Bruckhaus konnten die Regularien zügig abgewickelt werden. Die fünftägige Exkursion nach Kärnten und St.Paul war einstimmig der Höhepunkt im laufenden Jahr. Dafür erhielten die Organisatoren Ute Beck und Manfred Dietenberger nochmals großes Lob vonallen Seiten. Die Entlastung des Vorstands erfolgte einstimmig.
Die von Günter Heller geleiteten Neuwahlen unterstrichen die einwandfreie Arbeit des Vorstandes, der personell in gleicher Besetzung für zwei weitere Jahre bestätigt wurde: Vorsitzender Manfred Dietenberger (schon 16 Jahre ununterbrochen an der Spitze), Stellvertreterin Ute Beck, Rechner Manfred Gallmann, Schriftführer Werner Schreiber, Beisitzer Franz Falkenstein, erweiterter Vorstand Franz Leber und Manfred Emmerich und als Kassenprüfer Günter Heller und Klaus-Peter Binkert.
Zwei lokalbezogene Kurzvorträge rundeten den harmonisch verlaufenen Tag ab. Manfred Emmerich berichtete über die Entstehung und Bedeutung der einstigen Gutenburg, und Franz Falkenstein referierte über das ehemalige Eisenwerk Gutenburg.
Paul Eisenbeis
im Alb Bote vom 15.10.2009
Die Freiherren von Krenkingen hatten über drei Jahrhunderte einen bedeutenden Einfluss auf die Geschichte des früheren Alb- und Klettgaues. Manfred Emmerich, ausgezeichneter Kenner des einstigen Adelshauses, referierte unterstützt durch Karten und Bilder vor dem Geschichtsverein Hochrhein über Aufstieg und Niedergang des großen Geschlechts.
Die Stammburg der Krenkinger war eine Turmhügelburg auf einem Felssporn im Steinatal. Erstmals werden die Herren von Krenkingen in einer Urkunde des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen 1102 genannt. Entscheidend für den Aufstieg dieses Geschlechts war seine enge Anlehnung an die Herzöge von Zähringen, die seit dem 11. Jahrhundert weite Teile des deutschen Südwestens und der heutigen Schweiz beherrschten. Die Krenkinger leisteten den Zähringern wertvolle Hilfen zur Sicherung ihrer Verbindungswege. Ein Konrad von Krenkingen, der im Dienst von Kaiser Konrad II. stand, erhielt 1152 die Vogtei (Schirmherrschaft) über ein damals bei Detzeln gelegenes kleines Augustiner-Chorherrenstift, das durch seinen Gründer Marquard großen Besitz um Grießen im Klettgau hatte. Nach der Verlegung des Stiftes nach Riedern am Wald erweiterten sich die Vogtsrechte der Krenkinger erheblich. Entscheidend verbesserte sich die einflussreiche Stellung der Freiherren durch Diethelm von Krenkingen, der 1170 bereits Abt der Reichenau war und der zusätzlich Bischof von Konstanz wurde. Das verschaffte seiner Familie auch die bedeutende Vogtei über das Reichskloster Rheinau mit umfänglichen Besitz im Klettgau. Damit erreichten die Krenkinger den Zenit ihrer Macht.
Um 1100 werden sie auch als Besitzer des Dinghofes im Dorf Tiengen erwähnt. Auf ihrem dortigen Areal ließen sie Burg und Kirche, Markt und Mauern erbauen, und so wurden die Herren von Krenkingen zwischen1229 und 1243 Stadtgründer von Tiengen. Kurz danach wurden sie noch Kirchherren zu Schwerzen und gründeten die spätere Herrschaft Wutental mit Wutöschingen, Schwerzen, Willmendingen und Horheim. Heinrich II., der Stadtgründer von Tiengen, erwarb in der Mitte des 13. Jahrhunderts die Gutenburg im Schlüchttal samt ihrem Besitz. Tiengen und Gutenburg wurden so Sitz der alt-krenkinger Linie.
Aber schon 1262 versetzte der in Geldnot geratene Heinrich II. Schloss und Stadt Tiengen dem Bischof von Konstanz und wurde so sein Lehnsherr, sein Vasall. Damit begann der Niedergang des Geschlechtes der Krenkinger. Die jüngere Linie saß im Klettgau auf der Weißenburg und dann auf der eigens erbauten Burg Neu-Krenkingen. Letztere wurde 1288 wegen „Räubereien“ vom damaligen König Rudolf von Habsburg zerstört.
Die Freiherren von Krenkingen waren nun gezwungen, weitere Besitztümer zu verpfänden und zu verkaufen. Der Adel verarmte. Die Hauptlinie starb mit Diethelm III. 1413 aus. Für die jüngere, nun auf der Burg Roggenbach ansässige Linie, war mit dem Tod des Reichenauer Abtes Martin im Jahr 1508 das Ende gekommen.
Der Referent schloss in seinen Vortrag auch Ferdinand Fechtig mit ein, den bedeutendsten Sohn des Dorfes Krenkingen in der Neuzeit, der es vom Bauernbub zum geadelten Staatsminister unter Kaiser Franz I. in Wien brachte. Im März 1806 traf Fechtig im Auftrag des Kaisers im Kloster Berau mit Abt Rottler von St. Blasien zusammen. Hier wurden die Weichen für die Auswanderung eines Teils der Mönche des Klosters St. Blasien nach Österreich gestellt.
Paul Eisenbeis
im Alb Bote vom 4.9.2009
Das Waldshuter Spital feiert am Montag, 7. September ein doppeltes Jubiläum: Die einst zum Kapuzinerkloster gehörende alte Spitalkirche wird 350 Jahre alt und seit 150 Jahren ist das Krankenhaus auf dem Gelände des ehemaligen Klosters zu Hause. Das Jubiläum wird mit einem Festgottesdienst um 19 Uhr in der alten Spitalkirche gefeiert, an dem auch Gruppe „Aufbruch“ mit neuen geistlichen Liedern mitwirkt. Der Eingang zur alten Spitalkirche befindet sich im Ärztehaus in der Kaiserstraße.Als Folge des 30-jährigen Krieges waren das alte Waldshuter Spital und die Kapelle in der Rheinstraße schwer beschädigt. Der Kapuzinerorden erhielt der Stadt Waldshut die Erlaubnis, ein Kloster vor dem Unteren Tor zu bauen. Mit der Auflage Arme, Bettler und Fremde zu betreuen, um das alte Heilig-Geist-Stift in der Rheinstrasse zu entlasten. Am 7. September 1659 waren Kloster und die Kirche fertig. In einem Festgottesdienst weihte der Bischof von Konstanz Franz Johannes Voigt von Sumerau die Kirche. Nach der Auflösung des Klosters 1821 erwarb die Waldshuter Spitalstiftung 1859 die leerstehenden Gebäude und richtete dort das neue Waldshuter Spital ein. Das Spital in der Rheinstrasse wechselte den Besitzer und ging in private Hände über.im Alb Bote vom 15.5.2009
Der letzte Redmann Johann Michael Jehle und seine Zeit, die ehemalige Grafschaft Hauenstein war in acht Bezirke (Einungen) eingeteilt. Die Einungsmeister wählten alljährlich aus ihrer Mitte einen Redmann, ihren Obmann und Sprecher bei den vorgesetzten Behörden. Der letzte Redmann der alten Grafschaft war Johann Michael Jehle (1749 bis 1831). Über ihn und seine Zeit ging es beim jüngsten Treffen des Geschichtsvereins Hochrhein.Paul Eisenbeis
im Alb Bote vom 7.10.2008
In zahlreichen Veranstaltungen begehen die Schweiz und vor allem der Aargau das „Habsburger Gedenkjahr 2008“. In zweifacher Erinnerung leben dabei Erinnerungen an denkwürdige Ereignisse auf. Die Exkursion dazu, wieder bestens vorbereitet von Manfred Dietenberger und Ute Beck, wurde für alle 50 Teilnehmer zu einem großen Erlebnis.
Waldshut (eis) Erstes Ziel war eine Führung durch das Museum in Rheinfelden/CH zum Thema: „Die Habsburger im Fricktal“. Für sie war die Rheinbrücke bei Rheinfelden mit dem festungsmäßig ausgebauten „Stein“, in dem zeitweise die Reichsinsignien lagerten, sehr wichtig. 1803 kam das einst österreichische Fricktal zum neugeschaffenen Kanton Aargau. Es hatte damals die besten Primarschulen im Kanton und seit 1765 auch eine Feuerversicherung.
Den zweiten Halt gab es in der Aare- Brückenstadt Brugg. Dort, wo die Aare nur 15 Meter breit, dafür aber 15 Meter tief ist, gab es sehr früh einen Übergang. Brugg, in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von den Habsburgern gegründet, wurde Residenz dieser Grafen, die von der 1020 erbauten Habichtsburg bald ins wohnlichere Städtchen zogen.
Unter fachkundiger Führung erlebten die Waldshuter Geschichtsfreunde bei einem fast zweistündigen Gang durch und um die Altstadt viel Interessantes vom alten „Prophetenstädtchen“, aus dem viele Pfarrer (Propheten) stammten. Herrlich die mit den Figuren der sieben freien Künste bemalte Hauptfront der alten Lateinschule im damals nur 600 Einwohner zählenden Brugg. Im ersten Geschoss lehrte und lernte man Deutsch, im zweiten Latein, im dritten Griechisch und im vierten Hebräisch. Alle Stockwerke sind heute noch geschmückt mit Sprüchen aus diesen Sprachen. Mächtig der „Schwarze Turm“ als Wächter an der Aarebrücke, für den man damals das Baumaterial unbedenklich aus dem Römerlager beim nahen Vindonissa holte. Die Überschrift im Museum jenseits der Aare: „Die Habsburger, eine Weltmacht mit Wurzeln im Aargau“ wäre in der Schweiz noch vor 50 Jahren kaum denkbar gewesen.
Den Abschluss bildete ein Besuch in Königsfelden. An der Stelle, wo am 1.Mai 1308 die Mordtat an König Albrecht I. durch seinen Neffen Johann von Schwaben geschah, ließen die Königin Elisabeth und ihre Tochter Agnes, früh verwitwete Königin von Ungarn, ein Doppelkloster errichten mit einer großen Kirche als Erinnerungsstätte. Nach der Schlacht bei Sempach 1386 wurden in dieser Kirche der erschlagene Herzog Leopold III. und 27 im Kampf gefallene Ritter beigesetzt. Nach 1415 wurde der Aargau bis zur Aare/Reuss Berner Untertanengebiet, und im Zuge der Reformation stellten die neuen Herren den Klosterbetrieb in Königsfelden ein, die Kirche selbst war von nun an eine Kornschütte. Im gotischen Chor aber blieben die elf kostbaren Farbfenster, von elsässischen Künstlern 1320-1330 angefertigt und eingesetzt, erhalten. Die Beschreibung und Deutung dieser Werke durch eine Kunsthistorikerin wurde für alle Reiseteilnehmer zu einem besonderen Erlebnis.
m Alb Bote vom 23.9.2008
In zahlreichen Veranstaltungen begeht die Schweiz und vor allem der Aargau das "Habsburger Gedenkjahr 2008". In zweifacher Hinsicht leben dabei Erinnerungen an denkwürdige Ereignisse auf. Einmal an die Ermordung des Königs Albrecht I. am 1. Mai 1308 bei Königsfelden, andererseits sind es gerade 900 Jahre her seit der ersten urkundlichen Erwähnung des Namens Habsburg.
Grund genug auch für den Geschichtsverein Hochrhein, dieses Thema im Jahresprogramm aufzunehmen. Der Vorsitzende Manfred Dietenberger referierte beim jüngsten Treffen des Vereins darüber selbst. Sein von zahlreichen Geschichtsfreunden besuchter Bildvortrag war auch eine Vorbereitung auf die Tagesexkursion des Vereins zu besonderen Erinnerungsstätten der Habsburger in unserer Region.
"Die Habsburger waren eine Weltmacht, deren Wurzeln im nahen Aargau liegen", betonte der Referent. Sie stammten ursprünglich wahrscheinlich aus einer elsässischen Adelsgruppe. Die Habsburger kamen bald auch zu Besitzungen in der heutigen Schweiz. Ein Werner von Habsburg, Bischof von Straßburg, baute um 1020 die "Habichtsburg" unweit des Städtchens Brugg. In der Nähe erbauten die Adligen auch ihr Hauskloster Muri, das sie schön ausrichteten und reich begabten, war es doch auch für die ersten Habsburger zugleich Grabesstätte. Die Burg selbst spielte schon früh politisch keine große Rolle mehr, denn die Habsburger residierten bald in wohnlicheren Städten. Sie waren Grafen, wie es im Mittelalter viele gab, bis Rudolf IV. von Habsburg 1273 zum deutschen König gewählt wurde. Von da an war der Aufstieg zu einer der mächtigsten Familie Europas und der Welt nicht mehr aufzuhalten. Nachdem Rudolf das Herzogtum Österreich gewonnen hatte, tritt der Name Habsburg-Österreich auf.
Näher ging der Referent auf den Königsmord vom 1. Mai 1308 bei Windisch ein, begangen nach der Überfahrt über die Reuss durch eine Verschwörergruppe unter dem Anführer Johann von Schwaben, eines Neffen des Königs, der sich in Erbschaftsangelegenheiten zurückgesetzt fühlte. Die Königinwitwe Elisabeth nahm Rache an den Missetätern und deren Familien, deren Besitzungen konfisziert wurden. Zusammen mit ihrer Tochter Adelheid, Königin von Ungarn, ließen die beiden Frauen an der Stelle des Mordes ein großes Doppelkloster errichten mit dem Namen Königsfelden und statteten es mit einer außergewöhnlichen Einrichtung und bedeutenden Einkünften aus. "Brugg und Königsfelden werden auch Stätten der Exkursion am 20. September sein", so Dietenberger, der zusammen mit Ute Beck wieder ein reichhaltiges Tagesprogramm dazu ausgearbeitet hat.
Das Emporkommen der mächtigen Habsburger verdanken sie vor allem einer geschickten Heiratspolitik. Andere bedeutsame Geschlechter bei uns waren z. B. die Zähringer, die Lenzburger und die Kyburger. Aber die Habsburger hatten ihnen gegenüber mehr Glück und einen großen Vorteil: sie starben nicht aus! Nachkommen der Habsburger gibt es heute noch.
Der letzte habsburgische Kaiser von Österreich, Karl I., musste 1918 abdanken. Die Herzen von ihm und von seiner Gemahlin Zita wurden 1973 im Kloster Muri beigesetzt.
Paul Eisenbeis
im Südkurier vom 18.4.2008
Kreis Waldshut (eis) Der Geschichtsverein Hochrhein unternimmt am Samstag, 17. Mai, seine Frühjahrs-Exkursion in den Kanton Glarus. Jahrhundertelang gehörte das Glarnerland zum Damenstift Säckingen. Über diese geschichtlichen Zusammenhänge erinnerte in einem Bildvortrag der Vorsitzende Manfred Dietenberger.
Bis zum Jahre 1395 gehörte die Talschaft Glarus zum Stift Säckingen. Verbindendes Glied bis heute ist der heilige Fridolin, der Schutzpatron von Bad Säckingen und von Glarus. Fridolin kam übers Meer ins fränkische Poitiers und zog als Missionar durch das Elsaß bis in die Schweiz.
Von der heutigen Schweiz fuhr Fridolin, einer Vision folgend, rheinabwärts, gründete auf der Insel Säckingen eine Kirche und ein Doppelkloster, predigte den umliegenden Bewohner das Evangelium und wurde so der Apostel der Alemannen, besonders des Hochrheingebietes. Er starb hier an einem 6. März, das Jahr ist nicht bekannt.
Wann das Kloster Säckingen die Talschaft Glarus erworben hat, ist nicht mehr festzustellen. Wahrscheinlich geschah dies als königliches Stiftungsgut. In der Vita Fridlini wird diese Schenkung mit einer Legende verbunden. Zu seinen Lebzeiten habe die Talschaft Glarus zwei Brüdern gehört. Der eine, Ursus, habe seine Besitzungen dem Fridolin für eine Klostergründung in Säckingen geschenkt. Nach Ursus' Tod focht sein Bruder Landolf das Vermächtnis an. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe pilgerte Fridolin zur Grabesstätte von Ursus.
Auf sein Gebet entstieg Ursus aus seinem Grab, ging mit Fridolin vor das Landgericht in Rankweil und bestätigte dort die Schenkung. Daher wird Fridolin sehr oft mit dem toten Ursus abgebildet. Die Talschaft Glarus hatte für die Könige des Hochmittelalters eine große Bedeutung, führte doch eine bedeutende Heeresstraße durch dieses Gebiet zu den Pässen in Graubünden und nach Italien. Die Wichtigkeit dieser Walenseestraße ist daraus ersichtlich, dass Kaiser Barbarossa die Schirmherrschaft über Glarus seinem Sohn Otto unterstellte. Die Vogtei über das Stift Säckingen verlieh er den Grafen von Habsburg. Diese erhielten auch bald durch Erbschaft die Vogtei über die Talschaft, nachdem sie dort bereits als Maier des Stiftes walteten. Als Vögte und Maier hatten so die Habsburger die höchsten Ämter inne und bauten ihre politische Stellung weiter aus. Das führte zu Spannungen und offenen Auseinandersetzungen wegen der Freiheitsrechte der Talbauern. Dabei wurde ein österreichisches Ritterheer in der Schlacht bei Näfels 1388 von den vereinten Glarnern (unter dem Banner des hl. Fridolin) und den Eidgenossen vernichtend geschlagen. Darauf schloss sich Glarus der Eidgenossenschaft an. Mit dem Stift Säckingen gab es eine friedliche Lösung. In einem Loskaufvertrag anno 1395 verpflichteten sich die Glarner freiwillig, der Äbtissin in Säckingen einen ewigen Zins von jährlich 32 Pfund Pfennige zu zahlen. Das machten sie bis zum Jahre 1798. Noch heute hat Glarus gute Beziehungen zu Bad Säckingen und ist alljährlich bei der Fridolinsprozession mit dabei.
Bildtext: Am 9. April 1388 greift ein habsburgisches Heer das Land Glarus an und wird von ein paar hundert Glarnern geschlagen.
im Alb Bote vom 26.3.2008
Den Einzelgehöften auf dem Südranden von Neuhausen/Schweiz bis zur Küssaburg widmet Gemeindechronist Herbert Fuchs sein neues Werk. 46 Höfe hat er aufgesucht, nach ihrer Geschichte und der heutigen Nutzung geforscht.
Fast abgeschlossen ist das neue Projekt von Herbert Fuchs (75), Geschichts- und Geschichtenschreiber aus Hohentengen. Selbst früher Landwirt, haben ihn immer Höfe und Landwirtschaft sowie die Familien, die dort leben, interessiert. Da lag sein neues Buchthema nahe: "Die alten Höfe auf dem Südranden - eine Beschreibung in Wort und Bild".
Dabei interessiert er sich, wie schon in seinen anderen Abhandlungen, nicht nur für die Fakten. Es sind vor allem die Menschen, die ihn faszinieren: Wie haben sie früher gelebt, was machen die heutigen Hofbesitzer.
46 Einzelgehöfte von Neuhausen bis zur Küssaburg hat Herbert Fuchs beschrieben. Teils sind sie verlassen, teils abgerissen oder nur noch in Bruchstücken erhalten.
Weniger als die Hälfte wird noch bewirtschaftet, einige sind zu stattlichen Landhäusern umgebaut worden. Alle liegen auf der Südseite des Höhenzuges "Kleiner Randen". Hier fällt das Gelände sanft Richtung Rhein ab, ist sonnenbeschienen, weniger waldreich als die Nordseite und bot damit günstige Voraussetzungen für die Landwirtschaft, schreibt Fuchs. Viele Höfe waren dem Heimatforscher schon bekannt, andere hat er auf seinen Unternehmungen erst entdeckt, hat in Heimatkarten, Kirchenbüchern und Grundbuchämtern gestöbert.
Jedes Gehöft hat er persönlich aufgesucht, hat sich und sein Anliegen vorgestellt und für sein Projekt geworben. "Ich bin überall freundlich empfangen worden und habe bereitwillig Auskunft erhalten."
Manchmal entwickelten sich stundenlange Gespräche zwischen den Aufgesuchten und ihrem Gast. "Wenn man etwas von den Leuten wissen will, muss man sich Zeit lassen", sagt Herbert Fuchs.
Die Höfe werden in einem kleinen historischen Abriss und der heutigen Nutzung vorgestellt, teils finden sich interessante Familiengeschichten, die Einblick in die wechselhafte Geschichte eines Hofes geben.
Entstanden ist ein 150 Seiten starker Band, reich bebildert mit historischen und aktuellen Fotos. Finanziert werden soll die Auflage des Werkes hauptsächlich über eine finanzielle Beteiligung der Hofbesitzer, die sich meistens sehr großzügig zeigten, sagt Herbert Fuchs.
So ist abzusehen, dass das Werk noch in diesem Jahr erscheinen wird. Jeder Hofbesitzer erhält einige Exemplare. Das in einer Auflage von 200 bis 300 Stück gedruckte Werk soll auch im lokalen Buchhandel erhältlich sein.
Sabine Gems-Thoma
Bildtext: Herbert Fuchs im Gespräch mit der 92-jährigen Küngolt Aberle-Wey, vormalige Besitzerin des Schlosshofes in Küssaberg.
Buchprojekt
"Die alten Höfe auf dem Südranden - Eine Beschreibung in Wort und Bild" ist der Titel von Herbert Fuchs' neuestem Buchprojekt. 46 Einzelhöfe zwischen dem Schweizer Neuhausen und der Küssaburg werden vorgestellt und illustriert, drei sind es jeweils im Kanton Schaffhausen und Zürich, einer in Jestetten, zwei in Dettighofen, vier in Klettgau, neun in Küssaberg und 24 in Hohentengen (Lienheim und Bergöschingen).
im Alb Bote vom 16.2.2008
Mit dem Titel "Alte Verteidigungslinien im südlichen Schwarzwald" begann die diesjährige Vortragsreihe des Geschichtsvereins Hochrhein im "Schwanen" in Waldshut.
Über 50 interessierte Zuhörer wurden dabei von Konrad Lüthy/Murg in unruhige Zeiten vergangener Jahrhunderte zurückversetzt. Vor allem zeigte er auf, mit welchen Wehranlagen man eindringenden Feinden den Weg für ihre Beutezüge versperrte. Verhaue und Letzen, Hagwälder und Schanzen, Wallmauern und Verhacke lieferten dazu recht anschauliche Begriffe. Schon 1444 zwangen die verbündeten Hauensteiner und Wiesentäler an der Letze bei Schönenbuchen an der Wiese die gefürchteten Armagnaken zur Umkehr.
Von Tiefenstein über Remetschwiel bis Leinegg an der Schwarza zog sich der große Landhag hin, ein bis zu 600 Meter breiter siedlungsfreier und fast undurchdringlicher Waldstreifen, der in ein Abwehrsystem integriert war. In der Nähe vom heutigen Waldhaus durchquerte ihn der Klosterweg nach St. Blasien. Um diese offene Stelle gegen Feinde zu schützen, legte man dort eine große Landletze an, ein ausgeklügeltes Werk aus Wall und Gräben, aus Steinen und Baumstämmen. Waren eindringende Feinde im Anmarsch, fällte man die dort stehenden Bäume in etwa zwei Meter mit den Baumkronen gegen die Gegner, sägte aber die Stämme nicht ganz durch, damit die Eindringlinge die Bäume nicht wegziehen konnten.
Bei der bekannten Belagerung Waldshuts 1468 zogen eidgenössische Truppen gegen die vom Hauensteiner Landfahnen besetzte Letze und erstürmten sie in einem blutigen Gefecht. Dagegen machten die Belagerer keinen Stich gegen die 1300 Hauensteiner, die erfolgreich die Letze zwischen Albbruck und Dogern besetzt und verteidigt hatten. Große Letzen befanden sich am Eingang zum Wehratal, bei Albbruck und Gurtweil. Eine drei Kilometer lange Wallmauer zog sich von Bergalingen bis in die Nähe der Burg Bärenfels bei Wehr hin, die heute noch gut zu verfolgen ist. Eine wichtige Rolle in den kriegerischen Ereignissen dieser Jahrhunderte spielte der "Hauensteiner Landfahnen", eine schon im 14. Jahrhundert organisierte Miliz zur Verteidigung der Heimat.
Eine natürliche Sperre gegen von Westen kommende feindliche Truppen war der vom Schwarzwald bis zum Rhein reichende Bergsporn bei Rothaus zwischen Murg und Obersäckingen. Hier stand früher auch die Burg Rheinsberg. Mit Stern- und Viereckschanzen, Gräben und Palisadenzäunen, Fall- und Zugbrücken konnte in dieser Festung die Hochrheinstraße gesperrt werden. Über 1000 Mann standen hier in Kriegszeiten unter Waffen, flankiert von sechs Geschützen auf der linken Rheinseite. Österreichische Truppen unter dem Herzog Karl von Lothringen schlugen hier, über den Schwarzwald von Todtmoos kommend, in einem großen Gefecht die Franzosen und trieben sie bis Rheinfelden zurück. Kein Geringerer als der bekannte Türkenlouis ließ aufbauend auf bestehenden Schanzen und Bastionen die sogenannte "Schwarzwaldlinie" einrichten, ein starkes Defensiv-System, das von Rothaus über Todtnauberg bis Herrenalb und von dort nach Daxlanden bei Karlsruhe reichte.
Als die Franzosen 1744 wieder an den Hochrhein vordrangen, ließen sie die Schanzen beim Sperrriegel Rothaus/Murg schleifen und die Gräben auffüllen. Beim Bau der neuen Trasse der A98, die über das genannte Festungswerk geht, konnten bereits einige Mauerzüge von einst wieder aufgefunden werden.
Paul Eisenbeis
im Alb Bote vom 4.1.2008
Waldshut (eis) Bei einem Treffen des Geschichtsvereins Hochrhein konnten die zahlreichen Besucher nochmals alle Exkursionen und Führungen des vergangenen Jahres im Bild erleben. Die Fotografen Markus Jehle, Rainer Granacher und Harry Huber lieferten das Bildmaterial dazu.
Anschließend stellte Vorsitzender Manfred Dietenberger den Jahresband 2007 des Geschichtsvereins vor. In 16 bebilderten Aufsätzen von 13 Autoren birgt die 132 Seiten starke Schrift wieder Interessantes aus der Geschichte des Kreisgebietes.
In einem ausführlichen Beitrag stellt Franz Falkenstein seine in vielen Jahren gesammelten Erkenntnisse über die bemerkenswerten Bodendenkmäler auf dem Berauer Berg vor. In seinen Nachforschungen zum Tiengener Heimatfest berichtet Manfred Emmerich, wie der "Schwyzertag" zu seinem Namen kam. Mit einer anschaulichen großen Zeichnung gibt Walter Weißenberger Kunde über die ehemaligen Weingärten in und um Tiengen. Im "Hirschen" in Dogern wurde von den Einungsmeistern eine neue Waffenkammer eingerichtet, die Konrad Lüthy vorstellt. Derselbe Autor schreibt über die schon 1428 erwähnte Rhein-Fähre von Murg.
Der 14.November 1770 war für Waldshut ein spektakulärer Tag. Manfred Dietenberger berichtet, wie in einer großartigen Formation die von Klingnau hergebrachten Särge mit den Gebeinen von 13 Habsburgern durch die Waldstadt in Richtung St. Blasien geleitet wurden. Dietenberger schreibt auch über die vor 900 Jahren erfolgte Gründung des bei Ulm gelegenen Klosters Wiblingen durch Benediktiner von St. Blasien und von dem 1. Abt, der ebenfalls als Mönch aus dieser Schwarzwald-Abtei kam. Gustav Oberholzer versucht eine neue Deutung des Worts "Hotzenwald".
Die Römer setzten vor 2000 Jahren Meilensteine am Hochrhein. Wie früher Entfernungen und Flächen gemessen wurden, daran erinnert Richard Kaiser. Im 18. Jahrhundert standen viele Männer aus unserer Heimat als Söldner im Dienst fremder Herren. Werner Vökt geht in seinem dritten Beitrag dem Schicksal solcher Soldaten nach. Erstmals kann eine Verena Huber als Gründerin und Stifterin der nach dem Dreißigjährigen Krieg erbauten ersten Kapelle im Schellenberg nachgewiesen werden. Die Pfarrkirche St. Gallus in Eggingen wird von Lucia van Kreuningen vorgestellt und Gottfried Nauwerck berichtet viel Wissenswertes über die Burgruine Wieladingen. Mit seinem Beitrag über Aufstieg und Niedergang der Nazi-Partei NSDAP auf den Dörfern geht Herbert Fuchs senior am Beispiel Hohentengen in die jüngere Geschichte.
Schließlich gibt Dominik Rimmele in seinem Nachruf auf den Waldshuter Redemptoristenpater Josef Isele (1919-2007) gleichzeitig eine erste Übersicht über dessen Nachlass, vor allem über seine zahlreichen geschichtlichen Arbeiten.
Erhältlich ist der Band 2007 des Geschichtsvereins in den Buchhandlungen Fleck in Waldshut, Kögel in Tiengen und "Gallusturm" Bad Säckingen.
im Südkurier vom 13.12.2007
Bad Säckingen (eis) Beim jüngsten Treff des Geschichtsvereins Hochrhein konnte Vorsitzender Manfred Dietenberger wieder pünktlich den Jahresband 2007 des Geschichtsvereins vorstellen. In 16 reich bebilderten Aufsätzen von 13 Autoren birgt die 132 Seiten starke Schrift wieder Interessantes aus der Geschichte des Kreisgebietes.
n einem ausführlichen Beitrag stellt Franz Falkenstein seine in langen Jahren gesammelten Erkenntnisse über die bemerkenswerten Bodendenkmäler auf dem Berauer Berg vor.
In seinen Nachforschungen zum Tiengener Heimatfest berichtet Manfred Emmerich, wie der "Schwyzertag" zu seinem Namen kam. Mit einer anschaulichen großen Zeichnung gibt Walter Weißenberger Kunde über die ehemaligen Weingärten in und um Tiengen. Im "Hirschen" in Dogern wurde von den Einungsmeistern eine neue Waffenkammer eingerichtet, die Konrad Lüthy vorstellt. Derselbe Autor schreibt über die schon 1428 erwähnte Rhein-Fähre von Murg.
Der 14. November 1770 war für Waldshut ein spektakulärer Tag. Manfred Dietenberger berichtet, wie in einer großartigen Formation die von Klingnau hergebrachten Särge mit den Gebeinen von 13 Habsburgern durch die Waldstadt in Richtung St. Blasien geleitet wurden. Dietenberger schreibt auch über die vor 900 Jahren erfolgte Gründung des bei Ulm gelegenen Klosters Wiblingen durch Benediktiner von St. Blasien und von dem 1. Abt, der ebenfalls als Mönch aus dieser Schwarzwald-Abtei kam. Gustav Oberholzer versucht eine neue Deutung des Worts "Hotzenwald".
Die Römer setzten vor 2000 Jahren Meilensteine am Hochrhein. Wie früher Entfernungen und Flächen gemessen wurden, daran erinnert Richard Kaiser. Im 18. Jahrhundert standen viele Männer als Söldner im Dienst fremder Herren. Werner Vökt geht in seinem dritten Beitrag dem Schicksal solcher Soldaten nach. Erstmals kann eine Verena Huber als Gründerin und Stifterin der nach dem Dreisigjährigen Krieg erbauten Kapelle im Schellenberg nachgewiesen werden. Die Pfarrkirche St. Gallus in Eggingen wird von Lucia van Kreuningen vorgestellt und Gottfried Nauwerck berichtet viel Wissenswertes über die Burgruine Wieladingen. Mit seinem Beitrag über Aufstieg und Niedergang der Nazi-Partei NSDAP auf den Dörfern geht Herbert Fuchs senior am Beispiel Hohentengen in die neuere Geschichte. Schließlich gibt Dominik Rimmele in seinem Nachruf auf den Waldshuter Redemptoristenpater Josef Isele (1919-2007) gleichzeitig eine erste Übersicht über dessen Nachlass, vor allem über seine zahlreichen geschichtlichen Arbeiten.
Erhältlich ist der Band 2007 des Geschichtsvereins in den Buchhandlungen Fleck in Waldshut, Kögel in Tiengen und "Gallusturm" Bad Säckingen.
Zuvor konnten die zahlreichen Besucher der Versammluing nochmals alle Exkursionen und Führungen des Jahres 2007 im Bild erleben. Die Fotografen Markus Jehle, Rainer Granacher und Harry Huber lieferten das Bildmaterial dazu.
im Alb Bote vom16.11.2007
Der Görwihler Heimatforscher Paul Eisenbeis hat heute keinen ruhigen Tag. Denn: Er feiert seinen 80. Geburtstag und erhält am Abend das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Görwihl. Eisenbeis ist damit der zweite Bürger, dem diese Auszeichnung verliehen wird.
Für Paul Eisenbeis ist die Verleihung des Ehrenbürgerrechts eine Überraschung. Der Erste, dem diese Auszeichnung zuteil wurde, war der Görwihler Pfarrer Alfred Frei. Jetzt wird ein Mann zum Ehrenbürger, der sich wie kein anderer der Geschichte des Hotzenwaldes angenommen hat.
"Geschichte ist eine interessante Sache, die einen nicht mehr loslässt", erklärt der frühere Lehrer und Rektor der Görwihler Grund- und Hauptschule. Paul Eisenbeis ist seit 1990 in Pension, befindet sich aber alles andere als im Ruhestand. Nach der Pensionierung habe er sich auf die Heimatgeschichte konzentriert, blickt er zurück. Er verbrachte unzählige Stunden in verschiedenen Archiven. Eisenbeis ging der Vergangenheit akribisch nach. Er verließ sich nicht auf mündliche Überlieferungen, sondern sichtete die originalen. Gepackt hat ihn vor allem die Geschichte der Salpeterer. Daneben verfasste er 15 Vereinschroniken, denen ebenfalls viele Archivsitzungen vorausgingen. Damit nicht genug, war er maßgeblich am Aufbau des Heimatmuseums in Görwihl beteiligt. Er ist Gründungsmitglied des Fördervereins Heimatmuseum und des Geschichtsvereins Waldshut, in dessen Vorstand er lange tätig war. Eisenbeis ist Ehrenmitglied der Trachtenkapelle Strittmatt und des Deutschen Roten Kreuzes Görwihl. Politisch engagiert er sich seit 51 Jahren für die CDU.
Und dann ist da noch diese alte Geschichte mit den Einungen. Paul Eisenbeis schrieb ein Freilichtstück über die Einungsmeisterwahl, das 1996 auf dem Marktplatz in Görwihl aufgeführt wurde. Einungsmeister der Einung Görwihl, zu der auch Teile der heutigen Gemeinde Herrischried gehörten, wurde damals Herbert Nägele aus Rotzingen. "Wir haben es genau nach alter Sitte gemacht", berichtet Eisenbeis. Er muss es wissen. Denn im echten Leben ist Eisenbeis Einungsmeister der Einung Görwihl. Dass es heute wieder acht Einungsmeister gibt, entspricht allerdings nicht der realen politischen Konstellation des Landkreises Waldshut, sondern ist historisch nachempfunden. Die Ankündigung, dass ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen wird, kam für Paul Eisenbeis unverhofft. Aber: "Ich freue mich. Auch deshalb, weil ein Lehrer das Ehrenbürgerrecht erhält." Im Normalfall, fügt er hinzu, erhalten Lehrer solche Auszeichnungen nicht.
Paul Eisenbeis war von 1950 bis 1952 Lehrer in Gurtweil, Binzgen, Horheim und Oberhof. In diesem Jahr heiratete er Hildegard Hofmann, mit der er vor fünf Jahren goldene Hochzeit feierte. Danach nahm er eine Stelle als Lehrer in Strittmatt an. Dort blieb er bis April 1966, als er nach Görwihl versetzt wurde. Im selben Jahr erhielt er von der damals selbstständigen Gemeinde Strittmatt den Ehrenbürgerbrief überreicht. "Das war eine lockere Angelegenheit", blickt er zurück. Ob die Verleihung des Ehrenbürgerrechts, diesmal von der Gemeinde Görwihl, heute Abend wieder eine lockere Angelegenheit wird, weiß noch niemand. Klar ist nur so viel: Paul Eisenbeis wird im Bürgersaal keine Wurzeln schlagen. "Um 21 Uhr bin ich weg", sagt er. Wir werden sehen.
VON PETER SCHÜTZ
Bildtext:
Heimatforschung auf der Kunst: Paul Eisenbeis mit dem Nachweis, dass er einer von acht Einungsmeistern ist. Er wird heute 80 Jahre alt und zum Ehrenbürger der Gemeinde Görwihl ernannt. Bild: Schütz
Paul Eisenbeis
Paul Eisenbeis stammt aus Oberweier bei Lahr. 1953 wurde er Lehrer in Strittmatt. 1966 wechselte er an die Schule in Görwihl, wo er von 1970 bis 1990 Rektor war. 1998 erhielt Eisenbeis das Bundesverdienstkreuz. Seit 1958 ist er als Journalist für den SÜDKURIER tätig. Heute Abend wird ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen. Die öffentliche Feier findet ab 19 Uhr im Strittmatter Bürgersaal statt.
im Alb Bote vom 11.10.2007
Waldshut (tao) Paul Eisenbeis aus Görwihl, der vierzehn Jahre als Schriftführer im Vorstand des Geschichtsvereins Hochrhein tätig war, tritt ins zweite Glied zurück. In der Hauptversammlung des Vereins, die im Gasthaus zur Linde in Unteralpfen stattfand, wurde die engagierte Mitarbeit des 79-Jährigen gewürdigt, der als Publizist, Geschichts- und Heimatforscher seit Jahrzehnten einen besonderen Ruf genießt. "Paul Eisenbeis war immer ein kompetenter Gesprächspartner, wenn es darum ging, historische Fragen zu erörtern", so der Vorsitzende Manfred Dietenberger. Durch seine Mitarbeit habe Eisenbeis in hervorragender Weise daran mitgewirkt, die erklärten Ziele des Vereins umzusetzen, die Geschichtsforschung am Hochrhein und im Süd-Schwarzwald zu fördern und die gewonnenen Erkenntnisse in Form von Publikationen, Vorträgen und Exkursionen weiterzugeben.
Eisenbeis bestätigte seinerseits eine harmonische Zusammenarbeit, die viel Freude gemacht habe und er versicherte, auch künftig dem Verein zur Verfügung zu stehen und weiterhin dort aktiv mitzuarbeiten, wo er gebraucht werde.
Das zurückliegende Jahr, so Paul Eisenbeis in seinem Rückblick, sei wieder erfolg- und abwechslungsreich verlaufen. Es gab sieben Monatstreffen, die gut bis sehr gut besucht waren. Im Mittelpunkt der Treffen stand immer ein Referat, das in der Regel durch eigene Mitglieder vorgetragen wurde. Dazu kamen eine Exkursion zum Schloss Bürgeln im Markgräflerland, in Verbindung mit einer Führung durch die Basler Altstadt, eine historische Stadtführung durch das Schweizer Klingnau und ein zweitägiger Ausflug durch Oberschwaben mit Besuch der Klöster Inzigkofen und Wiblingen und der Städte Meßkirch und Ulm. Hinzu kam eine Arbeitstagung zur Vorbereitung und Drucklegung des Jahrbuches 2006, das diesmal einen Umfang von 136 Seiten hatte. Kassierer Manfred Gallmann wies auf die zunehmende Bedeutung der Spenden hin, mit deren Hilfe wieder ein wichtiger Beitrag zum Funktionieren des Vereins geleistet werden konnte, zumal ein Großteil des Budgets alljährlich durch die Herausgabe des Jahrbuches aufgezehrt werde.
Großes Interesse fand die Homepage des Vereins, die von Markus Jehle betreut wird. Die Seite wird im Schnitt 50 Mal wöchentlich aufgesucht, die Anfragen kommen aus fast allen Teilen der Welt, vorwiegend aber aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und den USA.
Die Vorstandswahlen wurden von Herbert Fuchs geleitet. Zum neuen Schriftführer wurde Werner Schreiber gewählt, während die übrigen Vorstandsmitglieder für zwei weitere Jahre in ihren Ämtern bestätigt wurden, darunter Ute Beck (Stellvertreterin), Franz Falkenstein, Manfred Emmerich und Franz Leber als Beisitzer. Traditionsgemäß fand die Hauptversammlung, die im zweijährigen Turnus abgehalten wird, an einem historischen Ort statt. Diesmal fiel die Wahl auf die Dr. Jakob Ebner-Heimatstube, die 2001 in der Linde in Unteralpfen eingerichtet wurde.
Zuvor stand der Besuch der Pfarrkirche St. Laurentius auf dem Programm mit einer kunsthistorischen Führung durch das Vereinsmitglied Silvia Albiez aus Unteralpfen.
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Paul Eisenbeis (Mitte) reichte sein Amt nach 14 Jahren an Werner Schreiber (rechts) weiter. Links Vorsitzender Manfred Dietenberger.
Der Geschichtsverein wurde 1974 durch die Initiative des Waldshuter Historikers Fritz Schächtelin gegründet. Der Verein zählt 180 Mitglieder, Stammlokal ist das Hotel "Schwanen" in Waldshut. Alljährlich wird ein Jahrbuch herausgegeben mit Beiträgen zu den Themenbereichen Brauchtum und Heimatgeschichte. Vorsitzender ist Manfred Dietenberger aus Albbruck, Tel. 07753/5700. Homepage: www. geschichtsverein-hochrhein.de
im Alb Bote vom 22.09.2007
Die Herbst-Exkursion des Geschichtsvereins Hochrhein nach Oberschwaben hatte vier Ziele auf dem Programm: Meßkirch, das Kloster Inzigkofen, das Kloster Wiblingen und die Stadt Ulm. Die drei erstgenannten Orte haben alle Beziehungen zur Region Waldshut. Die von Ute Beck und Manfred Dietenberger organisierte zweitägige Fahrt war für die 43 Reiseteilnehmer ein großes Erlebnis.
Waldshut (eis) In Meßkirch, dem "Geniewinkel Badens", übernahm der einstige Stadtpfarrer von Waldshut, Heinrich Heidegger, spontan die Führung durch die Stadt und ihre Geschichte. Natürlich kam man bald auf seinen Onkel, den großen Philosophen Martin Heidegger (1889-1976) mit vielen persönlichen Details zu sprechen. Die Teilnehmer der Exkursion hörten von dem hier residierenden Grafen von Zimmern, dem bekannten Komponisten Conradin Kreutzer und dem von hier stammenden Erzbischof Konrad Gröber (1872-1948). In der Stadtkirche St. Martin ließ Pfarrer Heidegger die kunstvolle Inneneinrichtung mit ihrem theologischen Hintergrund aufleuchten.
"Wir zeigen Ihnen gerne und stolz das ehemalige Augustinerinnenkloster Inzigkofen", so der dortige Führer vor dem zweistündigen Rundgang durch die weit verzweigten Kloster anlagen. Hier beteten und arbeiteten in der Blütezeit rund 40 Chorfrauen und zusätzliche Laienschwestern. Aus einer anfänglich kleinen Beginenge-meinschaft wurde 1394 mit der Annahme der Augustinerregel ein Augustiner-Chorfrauenstift. Einmalig in der Kirche ist auch das in der Notzeit von den Nonnen mit vielen bunten Blumen und Blättern selbstgefertigte Chorgitter aus Pappmache. Die jeweilige Pröpstin hatte als unmittelbaren Vorgesetzten den Abt aus Kreuzlingen bei Konstanz, der hier auch Visitator war.
Genau so war es im Chorfrauenstift Riedern am Wald im Kreis Waldshut, mit dem das Stift Inzigkofen rege Kontakte und Austausche pflegte. Die Chorfrauen aus Riedern übernahmen den kompletten Bauplan von Inzigkofen. Heute ist in den Klosterräumen eine weitbekannte Volkshochschule mit einem reichen Kursangebot angesiedelt.
Das vor den Toren Ulms gelegene ehemalige Kloster Wiblingen wurde anno 1093 von zwei adligen Brüdern gegründet. Dazu holten sie 12 Mönche aus der Benekdiktinerabtei St.Blasien. Einer von ihnen, Werner von Ellerbach, wurde der erste Abt des rasch aufblühenden Klosters. Eine Augenweide für die Geschichtsfreunde war hier der prächtige, zweigeschossige Bibliotheksaal mit seiner Originalausstattung und dem reichhaltigen theologisch-humanistischen Bildprogramm - heute Weltkulturerbe! Beim Betreten der dem heiligen Kreuz geweihten Klosterkirche wurden die Teilnehmer sofort an das Innere des Domes von St. Blasien erinnert, der in derselben Zeit entstand. Eine Besonderheit hier: Die Klosterkirche hat keinen Kirchturm, aber ein Geläut mit der ältesten in Deutschland datierten Glocke von 1275.
Eine mehrstündige Führung bei bester Witterung am Sonntag galt schließlich der ehemals Freien Reichsstadt Ulm mit den historischen Gerber- und Fischervierteln, den verwinkelten Durchgängen und romantischen Brücken. In Ulm lief gerade der mit 9000 Läufern bestückte Einstein-Marathon. Höhepunkt und Abschluss war hier der Besuch des Ulmer Münsters. Der stattliche Bau, 1377 als Pfarrkirche begonnen und 1898 beendet, hat Raum für 23 000 stehende Personen, den mit 163 Metern höchsten Kirchturm und ist zudem das größte protestantische Gotteshaus der Welt.
Paul Eisenbeis
im Alb Bote vom 05.09.2007
Pater Josef Isele ist im Alter von 87 Jahren am Montagabend nach langer Krankheit im Ordenshaus St. Joseph in Matran bei Fribourg/Schweiz gestorben. Der gebürtige Waldshuter war vor allem als Krankenhausseelsorger und Heimatforscher bekannt. Im Waldshuter Krankenhaus war er nicht nur als Seelsorger tätig, sondern spendete auch die Krankensalbung und taufte Kinder.
Eine tiefe Liebe verband Pater Isele mit seiner Heimatstadt. Die Erforschung und Darstellung ihrer Geschichte war eines seiner größten Anliegen, aber auch die Städtepartnerschaft zwischen Blois und Waldshut. Isele war auch als Künstler bekannt. Überall erinnern Zeichnungen und Bilder an sein Schaffen. Eines seiner bekanntesten Werke ist wohl das Altarbild in der alten Krankenhauskirche.
Josef Isele wurde am 20. Dezember 1919 als Sohn des Zimmermeisters Emil Isele und dessen Frau Dorothea Isele in Waldshut geboren. Bereits in frühester Kindheit wollte er Priester werden. Als 1932 von Patres des Redemptoristenorden eine Mission in der Pfarrgemeinde Waldshut abgehalten wurde, war ihm sein Weg klar: Er wollte Redemptorist werden.
Im Alter von elf Jahren meldete sich der Älteste von drei Geschwistern bei den Redemptoristen in Mariawil, bei Baden/Schweiz. In den Ordensgymnasien von Drei-Ähren im Elsass und von Fribourg verbrachte er seine Gymnasialjahre. Daran schloss sich das Noviziat (Probezeit) von einem Jahr in Lothringen und Heiligenstadt an. Ein Jahr später legte er seine Profess, sein ewiges Versprechen, ab.
Die Zeit während seines Studiums wurde vom Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Er wurde als Soldat eingezogen und trug im mehrjährigen Fronteinsatz in Russland und Rumänien das Schicksal einer jungen Kriegsgeneration mit. Bei seiner Flucht als Kriegsgefangener durch Rumänien wurde er gefasst und sollte hingerichtet werden. Ein Gebetbuch, das er in der Hand hielt, war seine Rettung: Der russische Offizier, der ihn erschießen sollte, war selbst ein Christ und zu der Tat nicht fähig. Isele kam in Gefangenschaft nach Westsibirien und wurde dort bald wegen Entkräftigung und Arbeitsunfähigkeit entlassen.
Nach seinem Studium der Philosophie und Theologie, das er in Hennef / Sieg absolvierte, erhielt er am 7. August 1949 in Trier seine Priesterweihe. Am 15. August 1949 feierte er seine Primiz in der St.-Marien-Kirche in Waldshut. Fortan arbeitete er als Kunsterzieher von 1950 bis 1955 in Bonn und seit 1955 als Deutschlehrer und Kunsterzieher im Ordensgymnasium Collège St. Joseph Matran. Ganz in der Aufgabe der Redemptoristen half Pater Isele neben seiner Lehrtätigkeit in der Schweiz und in Waldshut bei allen Notsituationen in der Seelsorge aus. Nach seiner Pensionierung war Pater Isele in Waldshut weiterhin als Seelsorger tätig.
Aus gesundheitlichen Gründen konnte er das Kloster Matran die letzten Jahre nicht mehr verlassen, um seine Heimatstadt zu besuchen, was er zutiefst bedauerte.
Die Beerdigung findet am Freitag um 14.30 Uhr in Matran bei Fribourg/Schweiz statt. Am Mittwoch, 12. September, wird um 19Uhr in der Liebfrauenkirche in Waldshut eine Eucharistiefeier in Gedenken an Pater Josef Isele veranstaltet.
Susann Klatt-D'Souza
im Alb Bote vom 25.08.2007
Ein Weihnachtsgeschenk wird es wohl nicht mehr werden, das Buch über vergangene Zeiten, das bei der Egginger Kunstausstellung halbfertig zur Ansicht und für Ergänzungsvorschläge auslag - und dort schon achtzigfach bestellt wurde. Dass es noch dieses Jahr fertig wird, hatten sich die beiden Autorinnen, Engeltje und Lucia van Kreuningen, vorgenommen. Doch obwohl die beiden intensiv daran arbeiten, wird es vor 2008 nichts mit der Auslieferung.
"Ständig stoßen wir auf neue Fakten, und immer weiter gehen wir auf unserer Suche nach Baujahren der Egginger Gebäude in die Vergangenheit zurück", erzählt Engeltje van Kreuningen. "Zuerst wollte ich in dem neuen Buch nur eine Gegenüberstellung von alten Ansichten Eggingens mit heutigen machen - ohne Text, die Bilder sollten selbst sprechen. Doch je länger ich mich mit der Geschichte des Dorfes beschäftigte, umso mehr hatte ich das Bedürfnis, den Bildern erklärende Texte zuzufügen. Mein Metier ist die grafische Darstellung, der Textverfassung hat sich nun meine Schwägerin Lucia angenommen."
Mit Genehmigung der Gemeindeverwaltung stöbert das Duo unzählige Stunden durch das Archiv jahrhundertealter Dokumente im Keller des Rathauses. Die beiden Frauen sind keine Anfänger in Geschichtsforschung. Lucia van Kreuningen ist schon viele Jahre im Geschichtsverein Waldshut und hat bereits über ihre Familie, die Familie Schanz aus Eggingen, ein Buch geschrieben. Ihre Schwiegermutter hat ein Buch über die van Kreuningens in ihrer holländischen Heimat verfasst.
Bei den Egginger Kunsttagen über Ostern dieses Jahres haben die beiden sehr viel Resonanz, alte Fotos und Hilfe in Form von Informationen bekommen. Dankbar nehmen sie diese Hilfe an. Auch wer selbst Fragen hat oder Vergangenes ergründen will, kann sich gerne an sie wenden.
Das Buch kann weiterhin bestellt werden. Es wird mit dem Laserdrucker hergestellt und mit festem Einband gebunden. Der ausgelegte Prototyp hatte 300 Seiten. Die Autorinnen sind sich sicher, dass es im fertigen Buch über 600 Seiten werden.
Engeltje van Kreunigen hat schon Tausende Fotos von den Dokumenten gemacht. Ohne diese dem Tageslicht auszusetzen, fotografiert sie alles schonend, ohne Blitz, mit ihrer Digitalkamera. Richtig schade findet sie es, dass Leute vor ihr teilweise Markierungen und Zahlen auf die alten Papiere gekritzelt haben.
Auf die Frage, wo die beiden Frauen die Motivation hernehmen, das Buch zu machen, antworten sie, dass sie es einfach unwahrscheinlich spannend finden, Dokumente zum Beispiel aus dem 17. Jahrhundert zu entziffern, um dabei immer wieder neue Entdeckungen zu machen. Beispielsweise sind Verläufe von Straßen im Ortsteil Obereggingen aufgetaucht, die ohne die historischen Aufzeichnungen keiner mehr erahnt hätte. Jetzt aber, da sie bekannt sind, erklärt das in manchen Fällen die Anordnung alter Höfe. Ihre Entdeckungen möchten Engeltje und Lucia van Kreuningen allen Eggingern zugänglich machen. Ihr Buch wird einige Überraschungen liefern.
Rita Bauknecht
Bildtext:
Engeltje und Lucia van Kreuningen bei ihrer Recherche im Archiv der Gemeinde Eggingen. Hier arbeiten sie sich durch das Buch "Gemeinderechnung Untereggingen" aus dem Jahr 1780.